Ich gebe zu, ich bin auch bei ebay reingefallen auf das Berlin Touristik Center, über das gleich Akte 08 berichtet.
Was war geschehen?
Das Berlin Touristik Center BTC bot in Auktionen eine ganze Reihe von Reisen und Events in Berlin an. Mal gab es ein Musical dazu, mal eine Stadttour durch Berlin, mal andere Sightseeing Leistungen. Die Preise waren durchweg aktzeptabel und konnten bei großen Abnahmemengen in den Hotels realistisch sein. Angegeben war als Anbieter eine Jürgen Stern und Henry W. GbR. Muss ja keine GmbH sein und bei einer GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts – haften alle Beteiligten mit ihrem gesamten Privatvermögen. So weit, so sicher.
Berlin Touristik Center mit dem ebay Namen berlin-touristik hatte jede Menge positive Bewertungen und unterlag als Powerseller strengeren Regeln als normale Verkäufer. Also, flugs zwei Reisen ersteigert, einmal das Hotel Gates, einmal das Hotel Mark, jeweils mit ausreichenden Sternen sowie Rahmenprogramm. In einem Fall Blue Man Group, im anderen Fall ein Paket touristischer Leistungen. Das Ganze sollte ein Jahr als Gutschein gültig sein.
Ich habe dann durch Zufall am 15.08.08 gesehen, dass das ebay Mitglied berlin-touristik nicht mehr bei ebay angemeldet ist. Uuuuups, das ist im Allgemeinen nicht gut. Also erst mal eine Mail an den Laden. In der Antwort durch den Geschäftsführer heißt es sinngemäß, dass die Gesellschaft in eine GmbH umgewandelt würde und man später wieder bei ebay weitermacht. Selbstredend bekommt die Staatsanwaltschaft einen Ausdruck der Email, ich helfe gerne.
Soooo, kommen wir jetzt mal dazu, was der gute Herr so alles gemacht hat:
In der Anbieterkennzeichnung bei ebay war von Jürgen Stern & Henry W. GbR die Rede, auf dem Briefbogen der “Gutscheine” Jürgen Stern GbR.
Laut Gewerbeamt Charlottenburg Wilmersdorf handelte es sich aber um eine Einzelunternehmung, da der Geschäftspartner wohl ausgestiegen war.
In den AGB ist von einer Versicherung u.a. gegen Insolvenz die Rede.
Den Sicherungsschein oder eine Police habe ich nie gesehen, andere Nutzer auch nicht, es kam nur der “Gutschein”.
Die Hotels haben flächendeckend die Zusammenarbeit mit BTC gekündigt, habe das Mark Hotel und das Hotel Gates in Berlin angerufen, andere Hotels haben laut Aussagen in mehreren Foren ebenfalls alle Zusammenarbeit eingestellt – es gibt anscheinend diverse offene Rechnungen und massenweise geplatzte Reservierungen. Die Hotels trifft dabei keine Schuld, sie waren betroffen über das Geschehen.
Die Volksbank Eisenberg hat die Zusammenarbeit mit Jürgen * beendet.
Das Gewerbe ist zum 01.09.08 laut Gewerbeamt Charlottenburg Wilmersdorf abgemeldet.
Entsprechend ist das Büro in der Pflazburger Str. 43 – 44 in 10717 Berlin nicht mehr besetzt.
Offensichtlich gab es so ab Mai die ersten Probleme mit der Abwicklung von Reisen. Die Probleme wurden leider nicht in größerem Umfang bekannt.
Es gab noch einen weiteren Account, über den ebenfalls diverses Geld für Reisen gesammelt wurde, anstelle einer Hamburger Telefonnummer für das Hamburger Büro wurde die Berliner Nummer angegeben.
Die in einem ebay-Forum geschätzte Summe für nicht erbrachte Leistungen wird zurzeit noch auf 500.000 bis über 700.000 EUR geschätzt. Das kann sich aber noch durchaus ändern. Zurzeit meldet goofbay.com 90 Tage rückwirkend von heute, also 23.09. minus 90 Tage, insgesamt 1679 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 347.897,31 EUR. Es ist spekulativ, darüber nachzudenken, welche Reisen hiervon stattfanden. Beachtlich ist die Summe in jedem Fall, da berlin-touristik bereits vor weit über einem Monat am 15.08. aus ebay rausflog.
Mails an das Berlin Touristik Center blieben unbeantwortet, obwohl der Mailaccount erwiesenermaßen noch funktionierte und somit ein Zugriff hätte erfolgen können.
Das dürfte auch Akte08 bei Sat1 berichten. Ebenso, dass eine beachtliche Zahl frustrierter Reisender vor ahnungslosen Rezeptionisten stand und weder Zimmer noch Tickets hatten.
Ergo ist jetzt von meiner Seite eine Strafanzeige angesagt. Die Leistung kann nicht mehr erbracht werden. Ein Mahnbescheid ist nur noch Frage einer sehr kurzen Frist. Das bringt zwar kein Geld zurück, aber falls der gute Herr * wegen Betrugs verurteilt würde und binnen 30 Jahren noch einmal einen Euro hat, lasse ich ihn samt Zinsen und Auslagen pfänden. Die normale persönliche Insolvenz greift nicht.
Das sehen auch andere so.
Falls sich der Herr Jürgen * hingegen in z.B. die Karibik und in den Stern-en-Himmel aufmachen sollte, dürfte er andere Probleme bekommen. Da ist er ein attraktiver Kandidat für Leute, die nicht viel fragen, wenn sie Geld riechen. Schutz kostet Geld und die eingenommene Summe ist nicht geeignet, sich eine dauerhaft sichere Existenz aufzubauen.
Man darf gespannt sein, ob Herr Jürgen * eine Zeit lang auf Staatskosten leben wird und/oder eher ein Dauerrennen durch die Welt antritt, bis ihm das Geld ausgeht.