Die Wellen schlagen ja hoch bezüglich des jetzt doch nicht stattfindenden Verkaufs von Opel durch General Motors. Nach monatelangem Hinhalten machen die Detroiter eine Rolle rückwärts. Die Mitarbeiter von Opel schauen belämmert drein, die Bundesregierung dürfte sich reichlich verarscht vorkommen und prompt liebäugeln die Amerikaner mit weiteren Staatshilfen.
Ob diese sinnvoll wären, darf man wohl bezweifeln. Immerhin war es nicht ein alleine in Deutschland tätiges Management, welche Opel vor die Wand gefahren hat. Vielmehr ist die Ära ab 1980 bei Opel meiner Meinung nach eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen, welche ihren Ursprung auf der anderen Seite des großen Teichs nahmen. Was hier manageröses geleistet wurde, zeigt sich in der aktuellen Schieflage der Firma sowie der Insolvenz von General Motors selbst.
Klar, ohne das Opel Know-How stünde GM reichlich dumm da. Zu lange hat man auf primitive Technik und große Karossen gesetzt. Nach meinem Geschmack ist ein Insignia um Lichjahre besser als die Schüsseln von GM selbst. Fahrwerk, Benzinverbrauch, was man auch nimmt: Für mich ist das GM-Zeug aus der Mottenkiste.
Jetzt will GM also Opel halten. Nach zig Verhandlungsrunden und persönlichem Engagement der Bundesregierung sowie obendrein noch erheblichem Einsatz der Arbeitnehmer. Unterschwellig droht GM mit einem Konkurs bei Opel.
Na und?
Der Großteil von Opel gehört durch die staatliche Hilfe momentan eh nicht GM, sondern der Bundesrepublik. Sollen die doch große Töne spucken. Klar ist, dass Arbeitsplätze abgebaut werden – egal, wer Opel bekommt. Aber fraglich ist die Langzeitperspektive. Warum soll jetzt ein Arbeitnehmer nach einer derartigen Hängepartie nicht noch von seinem Lohn mitnehmen, was irgendwie mitzunehmen ist? Wenn eh sehr viele Leute rausfliegen und ein als bekannt unfähiger Konzern weiterhin die Leitung hat, der zudem eine unzverlässige Verkaufsstrategie des Unternehmens fährt - was soll denn da noch besser werden? Warum sollten sich entweder Bund, Länder oder die Mitarbeiter noch erpressen lassen?
Die fähigen Mitarbeiter bei Opel werden sich schon ihren Teil denken. Ich schätze mal, dass einige in Richtung von Alternativen schielen – zurecht. Wer mag schon in einem unzuverlässigen Konzern arbeiten, der am Staatstropf hängt? Von den zusätzlichen Absatzmöglichkeiten des Magna-Konzerns in Zusammenarbeit mit russischen Investoren reden wir besser gar nicht.
GM hat so ziemlich alle vor den Kopf gestoßen und riskiert jetzt die große Klappe mit einer Wette auf Staatshilfen. Ich glaube nicht, dass diese gewährt werden sollten. Zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Opel nochmals vor die Wand geklatscht wird und entsprechend diese Gelder auch weg sind. So oder so, für mich ist GM der zurzeit denkbar schlechteste Eigentümer und vertrauen würde ich denen nach diesem ganzen Zirkus überhaupt nicht mehr – wenn jemals ein größeres Vertrauen da war. Und ohne Vertrauen kann man weder gute Mitarbeiter halten, noch Produkte verkaufen, noch öffentliche Gelder riskieren.