Diese Woche wurde einem chinesischen Regimekritiker, Liu Xiaobo, der Friedensnobelpreis verliehen. Prompt empören sich die Machthaber und drohen Norwegen. Ich finde dies interessant, da langsam aber sicher Peking auch sonst immer mehr die Maske fallen lässt, was seine Großmachtbestrebungen angeht.
Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Opfer von Diktaturen, die sich trotzdem um einen Dialog bemühen, hat eine lange Tradition. Zu Zeiten des Naziregimes etwa bekam der im KZ eingesperrte Carl von Ossietzky den Preis, was Hitler und seine braunen Spießgesellen mächtig erzürnte. Andrej Sacharow erhielt den Preis 1975, als er bereits nach Gorki verbannt war und die kommunistischen Herrscher in Moskau eigentlich genau das gleiche Verhalten zeigten, wie es die übliche Diktatur halt gerne macht: Nach innen unterdrücken, nach außen möglichst expandieren. Ein weiterer Nobelpreisträger, Lech Walesa, wurde während der Demokratisierungsbewegung in Polen ausgezeichnet, in der die kommunistischen Diktatoren eben mal das Kriegsrecht verhängten. Der Dalai Lama hat schon einmal den Friedensnobelpreis bekommen, was Peking extrem erzürnte. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: China war und ist stocksauer, dass ein friedliebender, humorvoller und gebildeter Mann den Preis bekommt. Kein Wunder, denn die chinesische Diktatur hat völkerrechtswidrig Tibet nach einer Invasion kurzerhand annektiert. Früher nannte man so etwas Imperialismus….. Liu Xiaobo ist zurzeit ein einem Gefängnis eingesperrt, das wohl von den Normen her einem KZ zur Ehre gereichen würde. Sein Verbrechen ist eine andere Meinung und der Wunsch nach Demokratie.
Es war also zu erwarten, dass der Nobelpreis auch einmal direkt nach China gehen würde, weil dort ein totalitäres System mit Größenwahn und Unterdrückung den Traum der chinesischen Dominanz verfolgt und keine Rücksicht – weder intern noch extern – nimmt. Mit aller Macht und sämtlichen schmutzigen Tricks wird versucht, die Wirtschaft nach vorne zu bringen sowie gleichzeitig eine militärische Supermacht zu werden. Ob die eigene Gesellschaft oder andere Länder zum Teufel gehen – was interessiert es die Clique an den Schalthebeln.
Ich habe den Eindruck, China plärrt gerade los wie ein krimineller Jugendlicher, der mit den Fingern in der Keksdose erwischt wurde. Auch hier muss man sagen: wie mittlerweile üblich. Egal, ob es sich um Produktpiraterie, Ideenklau, elektronische Kriegsführung gegen westliche Staaten (da kann Merkel ein Lied von singen, sie und Deutschland allgemein sollten mittels Computerviren abgehört werden), die Unterstützung von Völkermord in Afrika zwecks Rohstoffbeschaffung handelt: Immer setzt ein Protestgeheul an, das nur eine Wahrheit zulassen will, nämlich die chinesische.
Kein Wunder also, dass es zu Liu Xiaobo Protestgeplärre gibt und der norwegische Staat aus chinesischer Sicht das Nobelpreiskommittee an die Kandarre nehmen sollte. Ich gehe davon aus, dass die Norweger jetzt mindestens Ministerbesuche erst einmal verschieben dürfen und die eine oder andere Handelsdelegation auf Granit beißt. Aber ehrlich, wen interessierts, wenn Chinas Bonzen die Welle Wahnsinn machen? Ich finde es gut, dass die Norweger Mumm bewiesen haben und nicht vor den unverschämten Forderungen zurückgewichen sind. Persönliche Meinung zu Pekings Großmachtwahn, Unterdrückung, Ausbeutung, Menschenrechtsverletzungen, permanenter Wirtschaftskriminalität und Einmischungsversuchen in europäischen, demokratischen Staaten: Götz von Berlichingen wäre aktuell………