Der Streit ums Amt beginnt, die Presse heizt weiter an

So, Wulff ist weg, jetzt sollte eigentlich Ruhe im Berliner Kindergarten sowie bei Skandalblättchen und Billigreportern sein. Alle haben sich bei Wulffs Abgang nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Allen voran natürlich Wulff selbst mit seiner Salami-Taktik bei der Aufklärung und “weitem” Verständnis für Freundschaften. Die Rolle der anderen Parteien und auch der Presse kann derweil aus meiner Sicht nur noch als irgendwo zwischen peinlich, dreist oder vollkommen abgehoben bezeichnet werden.

Fangen wir mit der Presse an. Sie selbst reklamiert zwar in vielen Teilen ihre ach so große Bedeutung und schreit beim “Telefonangriff” des Ex-Präsidenten im Chor auf. Aber für mich hatte die gesamte Inszenierung eher den Charakter einer gesteuerten Medienlawine – hey, es geht um Auflage und Auflage heißt Kohle. Das ausgerechnet so ein Blatt wie die Bild, für mich der größte Dreck seit es Klopapier gibt, die Moralkeule erhebt……ich finds peinlich. Noch peinlicher ist für mich, wie diverse andere Typen aus Funk, Fernsehen und Zeitungen auf den Zug aufsprangen und sich so als Steigbügelhalter der Niveaulosigkeit einerseits und Büttel verschiedener politischer Lager andererseits entblödeten. Objektive, sachliche Berichterstattung war verdammt selten. Hurra, es lebe die Show, die Masse kocht, warum brauchen wir da noch sowas wie Demokratie.

Für mich haben auch Politiker aller Lager einfach nur Machtstreben und Dummheit demonstriert und demonstrieren sie auch jetzt noch voller Begeisterung. Nahles und Gabriel haben Laut gegeben. Ich glaube, wer so hohe Ansprüche formuliert, sollte mal nachhorchen, ob in der eigenen Parteigeschichte nicht schon mal ein ehemaliger Ministerpräsident mit merkwürdigem Wirtschaftsverständnis nach Berlin “entsorgt” wurde, bevor sie jetzt groß die Schnauze aufreißen. Ebenso stößt mich der Klüngel der CDU/CSU, die traditionelle Rückgratlosigkeit der FDP und die heulende Berufsbetroffenheit der Grünen ab. Und, natürlich, da kommt obendrauf noch Gysi und motzt, weil er nicht gefragt wird. Sollen wir dann auch noch gleich die NPD am anderen Extremflügel um ihre Meinung bitten, oder was?

Persönliche Meinung: Wir haben zurzeit aus _allen_ Parteien gerade mal genügend gute Leute für ein halbes Kabinett. Die demokratischen Parteien sollten sich zusammenraufen und einen gut tragbaren Kandidaten bestimmen, meinetwegen Gauck oder einen Verfassungsrichter, einen gut akzeptierten Künstler oder einen Wissenschaftler, der Impulse für Neues setzen kann. Wenn das Amt des Präsidenten beschädigt ist, dann am meisten durch die falschen Fuffziger, welche gerne Moral postulieren, jedoch nur ihre eigenen Interessen meinen.

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