Mal was anderes – Bankenkrise und Hypothekenkrise
Sie erinnern sich noch an den irakischen Propagandaminister, der lustig Sprüche über den bald anstehenden Sieg der Iraker abgab, während die Amerikaner ein paar Kilometer weiter Saddams Truppen auseinandernahmen?
So ähnlich empfinde ich derzeit die Statements zur Bankenkrise und Hypothekenkrise. Alles soll geregelt sein, alles ist im Lot, kann nichts mehr passieren, Atlantis sinkt nicht, blubb, gurgel, sink (Zitat aus “Eric der Wikinger”). Wer ernsthaft glaubt, die Sache sei ausgestanden, liegt meines Ermessens total auf dem Holzweg. Kurze Aufarbeitung folgt, dann die Begründung, warum es noch mächtig rappeln wird.
In den USA hat man auf Pump gelebt. Häuser wurden gebaut und die Hypotheken dadurch abgesichert, dass die Häuser ja immer mehr wert werden sollten. Entsprechend bekamen Menschen Kredite, die unter normalen Umständen niemals vergeben worden wären. War ja alles sicher, weil die Häuser mit ihrem stetig steigenden Wert dagegen aufzurechnen waren. Das Konstrukt hielt so lange, wie der Immoblienmarkt tatsächlich immer teurer wurde. Gefährlich wurde das Ganze, weil der Umfang der Kredite die Reserven der Banken fundamental angriff. Sah ja alles nach einem guten und sicheren Geschäft aus. Netterweise wurden auch Ballon-Kredite vergeben, die anfangs zwar preiswert waren, jedoch nach ein paar Jahren in der Zinshöhe nach oben schossen.
Wie das mit Ballons so ist, knallt es, wenn sie platzen.
In dem Moment, wo Häuslebauer ihre steigenden Verpflichtungen nicht mehr bedienen konnten, schnappten sich die Banken die Häuser in der vermeintlichen Sicherheit des Immobilienwertes. Wenn sowas aber zig-tausendfach passiert, geht der Immobilienpreis aufgrund des entstehenden Überangebots in den Keller. Und damit ist erstens die Sicherheit weg, zweitens verliert die Bank massiv Geld. Und die ehemaligen Hausbesitzer sind dauerhaft pleite, sie können nicht mehr zur Volkswirtschaft beitragen, weil der Konsum einbricht.
Einfach, oder? Naja, vielleicht zu einfach, fragen Sie doch mal die IKB, einige Landesbanken oder sogar renommierte deutsche “Institute”. Die haben munter Luftwerte gekauft – eben die Phantasiepreise bei Immobilien in einem selbsterhitzten Markt.
OK, warum ist die Show noch nicht zu Ende? Weil den Banken schlichtweg zig-Milliarden fürs operationale Geschäft fehlen, die sie in der Hoffnung auf steigende Immobilienpreise verzockt haben. Weil in den USA die Wirtschaft bis zum Anschlag belastet wird und der Konsum der Pleite gehenden Hausbesitzer dauerhaft fehlen wird. Weil der gesamte Immobilienmarkt in den USA schlichtweg im Arsch ist und kein regulärer Handel mehr möglich. Weil die Bauindustrie nach dem Boom vergangener Jahre drastisch schrumpfen wird. Weil sich bei Zulieferern kein oder wenig Bedarf nach Material einstellt, gibt ja genügend leere Häuser und Büros. Kommt dazu noch ein hoher Ölpreis, massive Bewegungen innerhalb von Branchen und Märkten sowie eine Schieflage des Haushalts und teilweise Handelsdefizite, gibt das zusammen nicht nur den zarten Knall eines Luftballons, sondern ein Riesen-BUMM.
Richtig spaßig wirds für uns in Europa nicht nur, weil die Amerikaner als Konsumenten europäischer Güter teilweise ausfallen – viele Pleiten, teurer Euro, etc.. Auch wir haben in Europa riesige Luftlöcher im Immobilienmarkt eingebaut, die noch gerade stabil sind aber jederzeit kippen können: England und Spanien. Rechnet man den Buch-Gegenwert einer Immobilie im Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Beitrag ihres Besitzers, kann man für London oder viele Regionen in Spanien einfach nur kotzen. Wenn es da einen kleinen Schluckauf im System gibt, wird es auch hier knallen. Und da hängen dann auch die europäischen Banken fett am Fliegenfänger sowie nochmals die amerikanischen Banken, welche sich in der Hoffnung auf dauerhaft steigende Preise sauteure Beteiligungen gesichert haben. Und europäische Banken haben sich aus den USA tonnenweise Scheiße in Geschenkpapier eingesackt. Oder wie sonst soll man demnächst reihenweise platzende Hypotheken zu Phantasiepreisen bezeichnen, die nur neu gemixt wurden?
Deutschland ist da etwas stabiler, von den Immobilien her gesehen. Viele Banken haben den Bauboom der Nach-Wendezeit noch in bester Erinnerung, wo jetzt noch Immobilen teilweise leer stehen. Entsprechend vorsichtiger war man im eigenen Land unterwegs.
Interludium, Frage: wenn mans hier einigermaßen im Griff hat, wieso zockt man dann wie ein mieser Pokerspieler auf unbekanntem Terrain in den USA? Antwort: Gier frisst Hirn……
Ganz ohne blaues Auge kommt aber auch Deutschland nicht weg. Gerade wird die Mittelschicht abgezockt, damit man den sich munter vermehrenden Sozialsumpf sowie spannende Abenteuer in Form beispielsweise der IKB-Sanierung bezahlen kann. Wenn die Politik jetzt die Eigenheimzulage abschafft, stabilisiert sie vermeintlich erstmal den Markt, es werden keine Überkapazitäten bei Immoblien geschaffen. Langfristig wird sich ein normaler Arbeiter oder Angestellter dank steigender Energiekosten und “hintenrum” erhöhter Steuern – kalte Progression – zunehmend weniger das eigene Häuschen leisten. Das kann auch böse ins Auge gehen. Warum man die IKB am Leben ließ, verstehe ich bis heute nicht. Die 8+ Milliarden wären anderswo besser angelegt gewesen. Aber es war und ist eben ein Politikum. Wieso sollte man sonst Banken subventionieren, welche erwiesenermaßen zu dämlich für diese Welt sind? Da würden doch besser die Banken gepusht, welche mit Geld umgehen können?
Ich gehe mit Ihnen jede Wette ein: Wir haben das Ende der Bankenkrise und Hypothekenkrise noch nicht erreicht, egal, was die Jungs aus den Vorständen oder die Auguren der Regierungen plappern. Und es wird in Kürze einen riesigen Knall geben, der einige amerikanische Banken anschlägt oder zerdeppert und bis zu uns rüberschwappt.
Aber, um noch mal auf den Anfang zurückzukommen: Es gibt keine Amerikaner in Bagdad.
30. September 2008 um 00:29 Uhr
mario sagt,
ich warte ja schon einige zeit auf den wirtschaftlichen einbruch, mit einigen tricks habe ich nicht unbedingt gerechnet, ich finde das was und wie es passiert höchst belustigend, arroganz, intoleranz, gier, chronische verblödung und all die anderen schwachsinnigkeiten haben ja wohl ohne frage zu dem heutigen stand der dinge geführt, hoch lebe das überweden mensch. um auf dein text zurückzukommen, ich habe schon lange nicht mehr ein so bös ironischen text gelesen der mit so einer härte die dummheit der menschen wiedergibt