DSGVO und Urheberrecht – schlecht für Europas Internet

Nun haben wir die DSGVO hinter uns. Naja, zumindest die Umstellung. Gleich reihenweise wurden deutsche und sonstige europäische Webseiten vom Netz genommen. Oft traf es die kleinen Handwerker, Hobbyseiten, wissenschaftliche Seiten oder auch Foren bis hin zu Selbsthilfegruppen. Dagegen sind viele dubiose Geschichten noch munter. Der Spam wurde nicht weniger, betrügerische Anbieter oder auch die Cookieschleudern verschiedener Verlage machen einfach weiter.

Facebook macht ganz normal weiter

Recht ungeschoren kamen auch die großen sozialen Netze davon, allen voran Facebook. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Am 22.5. sagte Zuckerberg vor der EU Kommission anlässlich des unglaublichen Skandals um Cambrigde Analytica aus. Am 25.5. trat die DSGVO in Kraft. Und, tädää, am 28.5. wurde ein Datenleck von 14 Millionen Benutzern bekannt. Die Lücke lief schon vor der EU Aussage. Kann Facebook etwa nicht feststellen, ob denen Daten flöten gehen oder etwas falsch eingestellt ist? Meines Erachtens schon. Facebook liest munter _alles_ mit und protokolliert jedwede Benutzeraktivität. Zudem kann man offenbar die API sehr genau steuern. Ich finde es äußerst merkwürdig, dass die EU Facebook nicht längst auf den Zehen steht.

Die paar Verbesserungen sind teuer erkauft

Die DSGVO hat jedenfalls nicht den Spam und den illegalen Adresshandel auch nur ansatzweise bekämpft. Läuft alles munter weiter. Und ebenso munter wird für europäische Angebote mit Spammails von Auslandsservern geworben. So richtig gewonnen haben weder Verbraucher, noch seriöse Webseitenbetreiber (die durften einen Heidenaufwand treiben). Abräumer waren ganz klar alle möglichen Anwälte, Schulungsanbieter und freiberufliche Datenschutzbeauftragte.

Urheberrecht und Leistungsschutzrecht

Nun gibt es aber den nächsten Klopper der EU. Das Urheberrecht und das Leistungsschutzrecht sollen überarbeitet werden. Und zwar primär zugunsten der Verlage. Genauer, zugunsten der größeren Verlage wie Springer, Burda, Funke und so weiter. Zunächst soll es einen Uploadfilter geben, der urheberechtlich geschützte Inhalte erkennt und notfalls sperrt. Es darf doch sehr bezweifelt werden, ob das alles so funktioniert. Schon die sehr gute Bildersuche von Google grätscht manchmal deutlich daneben.

Geld für Verlage

Weiterhin soll den Verlagen über das so genannte Leistungsschutzrecht die Kohle in den Hintern geschoben werden. Platt ausgedrückt, soll es eine Steuer auf Links geben – die natürlich vorzugsweise auf Verlagsseiten zeigen. Das hat schon in Deutschland und Spanien nicht geklappt. Noch mehr, es war ein totaler Reinfall. In Belgien ging der Versuch ebenfalls total schief. Die Verleger krochen bei Google zu Kreuze, nachdem sie auf eigenes Verschulden aus dem Index der Suchmaschine geflogen waren und ihnen fortan der Traffic fehlte. Also, wer kommt auf die wirklich blöde Idee, einen erwiesen nicht funktionierenden Mechanismus gleich mal auf EU Ebene auszurollen und obendrein völlig unnötig dem europäischen Internet zu schaden?

Verursacher und Situation

Haben die großen Verlage das eigentlich nötig? Nicht wirklich. Zwar wird oft lauthals geklagt aber eigentlich läuft deren Internetgeschäft gar nicht mal schlecht. Zumindest nicht so schlecht, dass die auf derartige Zwangsspenden angewiesen wären. Angeleiert hatte das Bürokratenmonstrum der ehemalige Digitalkommissar Oettinger. Nun, um dessen Digititalkompetenz scheints genau so bestellt, wie um dessen Englisch. Aktuell wird die ganze Nummer von Voss vorangetrieben, obwohl ihm wohl gerade der Rückhalt wegbricht. Das dürfte ein Paradebeispiel werden, wie Lobbyistenarbeit auf Kosten vieler in die Hose geht und dabei gleich noch die politischen Mitspieler diskreditiert.

Was wäre es schön, wenn ausnahmsweise mal Fachleute gefragt würden……………….

re:publica, Bundeswehr und Shitstorm

Die Veranstalter der re:publica wollten Informationsblasen abbauen, Netzkultur pflegen. Die Bundeswehr wurde ausgesperrt, weil sie ganz normal in Uniform (wie Polizei oder Feuerwehr) einen Stand betreiben wollte. Schon im letzten Jahr war die Bundeswehr ausgegrenzt, offizielle Begründung war eine verspätete Anmeldung.

Informationsfreiheit – aber bitte nur unsere

Wie passt eine Ausgrenzung zur Informationsfreiheit? Zur freien Meinungsäußerung? Die vorgeschobene Begründung war, dass man Personalgewinnung durch die Bundeswehr verhindern wollte. Das wiederum darf man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Veranstalter der re:publica möchten zensieren, beeinflussen, wer überhaupt eventuell Mitarbeiter gewinnen darf. Natürlich ist das schon eine massive politische Einflussnahme. Und zwar ausgerechnet von den Leuten, welche Unabhängigkeit und Offenheit propagieren. Für mich persönlich ist das schon reichlich manipulativ, wenn nicht gar verlogen. Auf jeden Fall entlarvt es eine politische Ausrichtung. Was nicht gewünscht ist, findet entsprechend auch nicht statt.

Guerilla Marketing

Nun, weil die Bundeswehr nicht teilnehmen durfte, fuhr sie einfach mit einem Transporter und einer Plakatwand vor. Eine aus Marketingsicht ziemlich coole Aktion und passende Reaktion auf die Ausladung. Sie verteilte Flyer und bot den Messebesuchern ganz offen Gespräche an. Auch wieder falsch. Schwupps empörten sich die Veranstalter der re:publica. Eigentlich haben sie sich dadurch noch weiter in die Ecke der Unglaubwürdigkeit manövriert.

Shitstorm

Für genau dieses Vorgehen kassiert die re:publica einen heftigen Shitstorm. Von Bundeswehr über Reservisten, von unabhängigen Journalisten bis zu Zeitungswebseiten, von empörten Benutzern bis zu Vertretern echter Meinungsfreiheit hagelt es Kritik. Auf diese Kritik wiederum reagiert die re:publica, selbsternannte Verfechter der Meinungsfreiheit, meines Erachtens extrem dünnhäutig. Warum? Meinungsfreiheit heißt nicht Bevormundung. Oder doch?

Meinungsgewichtung?

Allerdings werden wohl viele Negativkommentare in sozialen Netzen nicht berücksichtigt oder ausgeblendet. Offenbar greifen fehlerhafte Mechanismen, welche die Empörung der Benutzer und Leser falsch einordnen. Dabei läuft auf allen Kanälen, außer bei eher links einzuschätzenden Blättern, die berechtigte Nachfrage, ob die re:publica sich nicht genau so verhält, was sie am meisten kritisiert. Wenns nicht passt, findets nicht statt. Die Kritik daran scheint unterproportional wiedergegeben zu werden. Upps, haben die sozialen Netze dort eine Schwäche, können sie auch so die politische Wahrnehmung beeinflussen?

Luft rausgelassen

Der Protest gegen die Aussperrung der Bundeswehr hat auch Einfluss auf bspw. die Bewertung der Veranstaltung. Bisher war Friede, Freude, Eierkuchen. Man feierte sich gegenseitig. Die öffentliche Wahrnehmung war geprägt durch Selbstlob und Multiplikatoren der Teilnehmer. Nun sind viele sauer und haben massiv 1-Sterne Bewertungen (auch ich) auf bspw. Facebook verteilt. Was bislang als so eine Art selbsterklärter Meinungsführerschaft unterwegs war, ist ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Die re:publica vertritt eben nicht die Digitalgemeinde sondern nur einen kleinen Teil des Spektrums. Einen kleinen aber bislang sehr öffentlichkeitswirksamen Teil. Und das wohl durchaus politisch stark eingefärbt. Durch die kritische Berichterstattung in den Medien und auch die Gegenreaktionen verliert die Veranstaltung den selbstproklamierten Glanz und auch ihre oft gefühlte Meinungsführerschaft. Dies kann durchaus ein Paradebeispiel werden, was Resonanz und tatsächliche Wirkung oder vermeintliche Interessensvertretung und Mehrheiten im Internet angeht.

Medienecho

An der re:publica kann man sehen, wie sich auch das Medienecho um die Messe aufgebaut hat. Verschiedene Medienanstalten bis hin zum Deutschlandradio sind vertreten. Letztere sogar mit einem gläsernen Studio in der Halle. Dem Deutschlandradio ist natürlich keine politische Einflussnahme vorzuwerfen, in der Regel sind die Berichte fair. Aber es besteht die Gefahr der Bedeutungserhöhung für dieses Event. Was eben nicht mehr die reale Bedeutung wiederspiegelt. Einfach mal umschauen. Nehmen wir nur die Veranstaltungen zum Online Marketing. Ein digitaler Wirtschaftsbereich mit sehr genauer Beobachtung bspw. von Verhaltensflüssen im Netz (hoch interessant). Da hätten wir als große Konferenzen und Messen die CPX, Tactixx, Bits&Pretzels, SEOkomm, dmexco, SEOday und zig mehr. Mit zig Tausenden Besuchern, alleine die dmexco hat 40.000. Und meistens Internetprofis. Die re:publica meldete 10.000 Besucher. Neben den Messen zum Online Marketing gibts aber noch die CeBIT, jede Menge lokale Angebote, Veranstaltungen für Shopping, Lifestyle, Haustechnik, Bildung, Sicherheit bis hin zur Gamescom für Computerspieler mit ihren 350.000 Besuchern. Somit deckt die re:publica einen deutlich kleineren (und m.E. nicht unbedingt feineren oder kompetenteren) Bereich ab, als es die digitale Welt ausmacht.

Chance verpasst

Das Kommando CIR der Bundeswehr dürfte einiges zu netzbasierten Angriffen auf Europa und Deutschland sagen können. Seien es russische Attacken auf Verfassungsorgane, sei es Datenklau in der Wirtschaft durch China. Das ist Realität im Netz und mit Sicherheit hoch interessant. Auch dürfte die Bundeswehr einiges an Informationen zu Fake News oder Propaganda haben, mit denen bspw. Russia Today, Sputnik, Anna News oder auch die Trollarmee Russlands seit langem arbeiten. All so etwas kann zum Abbau von Filterblasen beitragen. Was mir bspw. immer wieder im Netz begegnet, ist die Verteufelung der Nato wegen der Osterweiterung. Dabei kommen immer wieder Märchen auf (auch gerne von bspw. linken Politikern oder AfD), das sei alles vertragswidrig. Blödsinn. Die Frage, warum man demokratischen, osteuropäischen Staaten zudem die Flucht unter einen Schutzschirm versagen möchte, gehört ebenfalls diskutiert.

Heuchel hier, heuchel da

Die re:publica lässt sich dick bezuschussen. Von Ministerien der Bundesrepublik. Und der EU. Dazu geben noch drei Bundesländer und Medienanstalten Geld. Gleichzeitig warf der Veranstalter, Beckedahl, der Bundeswehr vor, ggf. für einen „politisch fragwürdigen Angriffskrieg im Internet“ zu rekrutieren. Zynisch ließe sich sagen: Na hoffentlich erfährt das Bundesinnenministerium davon, dass die Bundeswehr einen Angriffskrieg will und erzählt es schnell der Bundeskanzlerin. So ganz scheint bei den Veranstaltern noch nicht angekommen, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Aber Hauptsache dagegen.

Informationsblasen

Das offizielle Ziel der re:publica war der Abbau von Informationsblasen. Wenn man aber selbst zensiert und eine politisch genehme Umgebung schafft, baut man genau diese Informationsblasen auf. Gescheitert. Meinungsfreiheit gerne – so lange es die eigene Meinung ist. Das ist weder demokratisch, noch ehrlich, noch offen.

Facebook Datenschutz – Cambridge Analytica

Zurzeit schlägt die Affäre um Cambridge Analytics hohe Wellen. Das Unternehmen hat massiv Daten von Benutzern aus Facebook abgegriffen und für seine Zwecke genutzt. Facebook sieht sich als Opfer, der Aktienkurs gab nach.

Quatsch

Facebook bietet Kunden sehr weit reichende Möglichkeiten, Daten zu sammeln. Facebook lebt immerhin von der Werbung. So ist schon bei der Schaltung bezahlter Anzeigen eine recht genaue Zielgruppenselektion möglich. Und woher kommen diese Einstellungsmöglichkeiten? Klar, von Facebook selbst. Wem sonst.

Noch drastischer wird es, wenn man auf die Schnittstellen von Facebook zugreift. Schnittstellen, die wohlgemerkt Facebook selbst zur Verfügung stellt. Hier braucht man an sich nur munter Daten sammeln und diese einigermaßen intelligent korrelieren. Schon hat man sehr weit reichende Ansätze, Vorlieben von Benutzern heraus zu finden. Oder auch politische Meinungen. Oder auch wirtschaftliche Daten.

Da lässt sich schon Einiges zusammensetzen.

Auch tut Facebook ja immer so datenschützerisch. Auffällig aber ist, dass (natürlich rein zufällig) passende Werbeeinblendungen aufplöppen können, wenn man zuvor mit anderen Benutzern vermeintlich privat per persönlicher Nachricht kommuniziert hat. Genau das konnte ich schon öfter beobachten.

Auch bei Whatsapp ist wohl längst nicht alles so privat, wie der Konzern glauben machen möchte. Entsprechende Berichte kursieren seit Jahren.

Ich finde das Verhalten von Facebook scheinheilig. Man macht munter Geld mit Daten. Privaten Daten. Privaten Meinungen. Privaten Ansichten und Aktivität der Benutzer.

Wer jetzt aus allen Wolken fällt, hat Facebook nicht begriffen.

Bitcoin Probleme – und andere Kryptowährungen

Zurzeit befindet sich der Bitcoin im Sinkflug, mal wieder. Wer zu spät eingestiegen ist, macht Verluste. Trotzdem gibt es noch einen irren Werbedruck, bei Bitcoin, Ether oder Ripple und sonst zig anderen einzusteigen. Die Callcenter telefonieren sich die Finger wund und quasseln vermeintliche Investoren zu, die Spammails laufen wie verrückt, in sogenannten Businessforen tummeln sich die Anwerber und obendrein springen viele Trittbrettfahrer bis hin zu Pyramidensystemen und Binärsystemen auf. Fast könnte man meinen, demnächst kommen sogar die Kaufempfehlungen vom Taxifahrer. Hier eine der typischen Spammails, diesmal vom „Bitcoin Code“, die zig mal eintrudelte:

Bitcoin Code Werbung

Unübersichtlicher Markt

Aktuell gibts weit über 1.000 Kryptowährungen weltweit. Das reicht von den bekannten Standards bis hin zu absoluten Exoten – de facto aus Hinterhofwerkstätten. Dazu kommen unterschiedliche „Börsen“, an denen die Währungen gehandelt werden. Eine Börsenaufsicht gibts in den meisten Fällen nicht. Es sind alles Privatunternehmen, welche dort munter herumwerkeln. Ok, jetzt wird es noch intransparenter: Was tatsächlich von wem gehandelt wird und mit welchen Interessen, bleibt komplett undurchsichtig. Spekulanten oder Zocker können durchaus den Kurs manipulieren, wenn sie sich nur halbwegs abstimmen. Wobei, wer weiß denn schon, wie seriös die Börsen selbst sind? Ohne Bafin oder SEC (die sowieso schon oft reichlich zahnlos unterwegs sind), ist der Manipulation in vielen Fällen Tür und Tor geöffnet. Sicherheitslücken können bestehen und welche Interessen der Börsenbetreiber selbst an eventuellen Kursmanipulationen hat, ist wieder ein neues Thema.

Keiner weiß, was sich durchsetzt

Über 1.000 neue Währungen? Was soll davon praktisch handelbar sein? Mit Sicherheit wird so manche Währung auf der Strecke bleiben. Sei es, dass eine Schwurbelbude einfach schließt und sich bei den Investoren herzlich bedankt. Sei es ein regionaler oder internationaler Verdrängungswettbewerb. Seien es Vorlieben der Verbraucher (ich hätte aber gerne meinen Lohn in Kleinkleckersdorfdollar, genau wie die anderen Kumpels…). Seien es Akzeptanzprobleme im praktischen Markt. Letzteres heißt einfach Folgendes: Kein Shopbetreiber wird so dumm sein, 1.000 Währungen als Zahlungsmöglichkeiten zu hinterlegen. Dafür ist der Aufwand und das Kursrisiko viel zu hoch. Händler kalkulieren nun einmal gerne. Und eben mal über eine Schnittstelle 1.000 Währungen aktuell um zu rechnen, ist nicht nur sehr aufwändig in der Technik. Es ist schlicht im praktischen Betrieb viel zu teuer. Aber ich warte sowieso noch darauf, dass mein Bäcker seinen eigenen Krypto startet ;-).

Regulierung im Anmarsch

Böse Jungs können Kryptowährungen missbrauchen, genau wie richtige Währungen. Es sei hier an die Griechenlandkrise erinnert, als massiv gegen den Euro gezockt wurde. Ob sich das alle Staaten bieten lassen? Nun, die deutsche Politik scheint noch ebenso herum zu dösen, wie die EZB. Ganz anders sieht es in Asien aus. Vietnam hat bereits den Handel mit Kryptos verboten, China de facto auch, Taiwan ist extrem vorsichtig. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass China seine eigene Kryptowährung heraus bringt, diese reguliert und genau wie den Yuan gegen Euro und Dollar einsetzt. Oder diesmal gegen Bitcoin, Ether und Ripple. Es ist ein totalitäres Regime, dass sich nicht gerne die Kontrolle nehmen lässt und die Währung schon immer als „Wirtschaftshilfe“ nutzte. Auch und vor allem, wenn es um Geldflüsse ins Ausland oder künstliche Verbilligung chinesischer Produkte geht. Indische Banken beschränken ebenfalls schon massiv den Kryptohandel. Japan ist dagegen offen (noch). Es ist damit zu rechnen, dass die geplagten japanischen Banken ein neues Spielfeld bekommen sollen. Naja, ob man denen wiederum dann trauen kann?

Noch mal zurück zur EZB. Kann gut sein, dass der Hype erst einmal weiter geduldet wird. Das gibt ja Steuereinnahmen. Nur wird die Geduld nicht endlos sein. Wenn sich so langsam die Auswüchse und Verrücktheiten heraus kristallisieren, dürfte Europa einschreiten. Und sei es über den Umweg Verbraucherschutz und Anlegerschutz. Ganz zu schweigen wird die EZB einschreiten müssen, falls irgendeine Kryptowährung den stabilen Handel des Euro bedroht. Hierfür bräuchte man bei den Kryptos nur Phantasiekurse, die hoch manipuliert werden. Genau das wird weder der Bundesbank, noch der EZB gefallen, noch wird sich Europa von so etwas abhängig machen.

Alles schon mal da gewesen

Wo sind die Ähnlichkeiten zu vergangenen Problemen? Zu Zeiten des Neuen Markts (Dotcom-Blase) wurde jede Aktie hochgejubelt, die nur irgend etwas mit Internet zu tun hatte. Heute wird alles hochgejubelt, was irgendwie mit Kryptowährung oder Blockchain zu tun hat. Als Beispiel sei Kodak genannt (ja, genau die, welche die Digitalkamera erfunden und dann verschlafen haben). Nur aufgrund der Ankündigung, Kodak würde seine eigene Kryptowährung heraus bringen, verdoppelte sich der Aktienkurs. Mehr steckt nicht dahinter. Weder ein besonders tolles, neues Produkt, überraschend gute Umsatzzahlen oder sonst was. Sprich, das Publikum fährt voll auf eine Ankündigung ab und rechnet nicht nach, ob da Substanz hinter steckt. Und genau wie bei der Immobilienkrise wird munter gezockt, gehebelt, geliehen und spekuliert. Ob die Kryptowährungen ein solides Fundament darstellen, ist dabei genau so uninteressant, wie einst die tatsächlichen Werte der amerikanischen Schrotthypotheken. Kann mans handeln, kann man am Handel verdienen. Und schwupps sprießen die Binäroptionen dubioser Anbieter, Banken geben Optionen heraus und so weiter.

Psychologie

Wo etwas beworben wird, steckt natürlich auch Psychologie dahinter. Bei den Kryptos ist es hauptsächlich Gier und die Hoffnung aufs große Geld. Entsprechend werden die irrsten Charts gebastelt. Da meinen einige tatsächlich, saisonale Schwankungen anhand einer gerade mal 2-jährigen oder 3-jährigen Entwicklung plausibel zu machen. Andere labern von der großen Freiheit, die Kryptos bringen sollen. Die EZB, die Banken und alle sind sowieso böse, demnächst knallts sowieso und ihr Investment ist das einzig wahre. Von hier bis zur Kursprognose mit Aluhut ist es dann auch nicht mehr weit. In der Tat wirbelt mit den Kryptos alles Mögliche von Hoffnung über Misstrauen bis zur Gesellschaftskritik durchs Internet. Was davon esoterisch angehaucht ist, intellektuell halbgar oder schlichtweg Manipulation zum eigenen Nutzen, kann man zunehmend schwerer auseinander halten……. jedenfalls arbeiten viele der Spammer mit der puren Gier der Anwender, hier „Bitcoin Loophole“, die 5-fach auf meinen Webseiten zugeschickt wurde:

Bitcoin Loophole Spam

Jetzt werden sogar schon flächendeckend Seminare, Schulungen und Trainings angeboten, wo man die tollsten Dinge zu höhren bekommt. Von Fachleuten. Klar, aber sicher. Nur gibt es so gut wie keine Finanzfachleute bei Kryptowährungen. Dafür ist das Zeug zu jung und instabil. Naja, wer diesen Quatsch schon mal gesehen hat, kann sich das sparen. Die machen oft nichts anderes als die berüchtigten Motivationsredner oder sonstige Verkäufer: Sie hoppeln beim Hype mit und halten das Händchen auf.

Vertrauen ist die Basis jeder Währung. Kaum knackt es beim Vertrauen etwas, schon können Digitalwährungen 20 Prozent einbrechen – binnen Stunden. Solche Schwankungen gabs zuletzt bei den richtig großen Crashs. Also Dotcom-Blase, 9/11 oder Immobilienkrise. Und ausgerechnet die, welche dem Euro nicht vertrauen, wenden sich jetzt den Kryptos zu. Einem intransparenten Markt mit enormen Risiken. Na, das nenne ich doch mal praktische Ironie ;-). Auch hier habe ich kein Vertrauen:

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Auch typisch und altbekannt seit dem guten alten Crash 1928/1929: Die Durchhalteparolen. Man spricht sich gegenseitig Mut zu. Die Promoter rufen zur Verteidigung des christlichen Abendlandes, Entschuldigung, der psychologisch wichtigen Marke von 8.123,45 EUR auf. So ein Quatsch. Die meisten handeln aus Eigeninteresse oder Panik.

Damit sich auch das letzte Opfer, Entschuldigung, der letzte Investor noch die teureren Kryptos leisten kann, werden schon einige Währungen künstlich aufgespalten. Will heißen, dass bspw. der Bitcoin schon „Nachwuchs“ bekommen hat. In einem normalen Aktienmarkt ist so ein Split Standard. Beispielsweise total solide Firmen machen aus einer Aktie zwei, damit auch kleinere Investoren einsteigen können. Bei der Kryptos vermute ich hingegen nicht so wohlwollende Absichten………

Analysten

Der Kabarettist Volker Pispers erklärte das Wort Analyst als eine Kombination aus „anal“ und „Lyse“. Die Kryptos sind so neu, das Geschäftsgebaren der Mitspieler so unberechenbar und auch die Eigeninteressen der „Analysten“ so diffus, dass ich an die Glaskugel auf Jahrmärkten denken muss. Für klassische Währungen gibts zig Modelle unter Einbeziehung der Staatsverschuldung oder Branchenindizes bis hin zu Wechselkursrisiken. Wer jetzt meint, den Stein der Weisen gefressen zu haben: Na, dann mal viel Spaß. Einerseits verhalten sich die Kryptos ähnlich Aktien in einem Hype, andererseits wie Währungen. Erfahrungswerte liegen logischerweise historisch nicht vor. Wer jetzt munter herumträllert, was für Kursziele zu erwarten sind, kann genau so gut aus dem Kaffeesatz vorlesen.

Während dessen rasen die Kurse hoch und runter. Entsprechend wird es bestimmte Computermodelle geben, die irgendwas handeln. Und hier tippe ich einfach mal: Die Promoter sitzen auf einer ziemlichen Menge Kryptos und pushen das Zeug hoch. Laut der 32-Sekunden Statistik von letzten Dienstag, sollen jetzt die „Investoren“ die besten Gelegenheiten haben. Wer einsteigt, treibt den Kurs nach oben. Kurz vorm erwarteten Kollaps trennen sich die schlauen Promoter von dem Zeug und machen Kasse mit realem Geld. Der Kurs knallt herunter, die „Investoren“ schauen in die Röhre und wenn sich das Zeug halbwegs stabilisiert hat, verkünden die Promoter wieder die tollsten Kursziele. Das Spiel beginnt von neuem, diesmal mit der Korrelation der Niederschlagsmenge zu Ostern in tollen Charts ;-). Das schnellere Abrasieren der Anleger machen derweil wahrscheinlich Banken. Deren Computermodelle mögen Kursschwankungen.

Sogar „Ratingagenturen“ beschäftigen sich jetzt mit Kryptos. Die bisher völlig nebensächliche Ratingagentur Weiss trötet herum, der Bitcoin sei befriedigend. Cooler PR Gag. Wohlgemerkt der Ratingagentur. Wie zuverlässig und kompetent diese allgemein sind, sei im Rückgriff auf die letzte Finanzkrise erinnert: Bis zum absoluten Crash von Lehman wegen Überschuldung, Inkompetenz und hemmungslosem Gezocke und den massiven Klatschen gegen alle Banken haben die Ratebuden wohlwollend Fleißkärtchen und Sternchen an die desolaten Geldhäuser verteilt………..

Interessante Technologie

Unabhängig von den Zockereien ist der Mechanismus hinter Kryptowährungen hoch interessant. Blockchain ist ein verteiltes Buchungsverfahren, das völlig neue Wege und Möglichkeiten im Zahlungsverkehr eröffnet. Beispielsweise erneuerbare Energien lassen sich mit so einem System exzellent abrechnen – ohne Banken. International können Umtauschgebühren entfallen (wenn man nicht erst in Kryptos kostenpflichtig umtauschen müsste). Per Speicherstick oder QR-Code, Handy und was auch immer sind Zahlungsvorgänge möglich. Sexy. Das ist schon eine zukunftsweisende Technologie. Nur ob ich den bisherigen Mitspielern mein reales Geld anvertraue, in dem ich in Bitcoin, Ripple oder Ether wechsle, steht auf einem ganz anderen Blatt ;-).

Der reale Irrsinn

Um neue Bitcoins und andere Währungseinheiten zu generieren, muss man leistungsfähige und in der Summe verdammt leistungshungrige Computer Tag und Nacht laufen lassen. Das nennt sich dann Mining. Ok, gerade die hehren Kryptopropheten sind ja oft sozial und umweltbewusst angehaucht. Denkt eigentlich keiner darüber nach, was da an sinnlosem Stromverbrauch los getreten wird? Klimawandel olè. Wenns um die eigene Kohle geht, scheinen Moral oder Verstand limitiert. Daher reagiere ich auch etwas allergisch auf diese Spammail:

Sie sind persönlich zu dem eingeladen, diese neue vermögensbildende software.
Um ihre anwendung abzuschließen müssen sie jetzt auf diesen Link klicken…>>
Akzeptieren sie meine BITCOIN persönliche einladung (verwenden sie info@xxxxx.de)
Frühere tester haben bereits €2500 durch diese software gemacht.
Es ist am besten, wenn sie in einigen minuten fortfahren, weil die plätze werden sehr schnell vergeben sein!!
Schreiben sie mir zurück wenn sie ein wenig hilfe benötigen…
Besten wünsche,
Oliver Madsan
http://bitcoinminercentral.com
BitCoin Miner Central
Berlin, Germany
Berlin 803791
Germany

Außerdem gibts da noch was. Krisenländer (oder besser deren Bewohner) versuchen, mit der Kryptokohle ihre Vermögenswerte in Sicherheit zu bringen. Fragt mal Venezuela. Was wird, wenn die alles beiseite geschafft haben, mit dem Kurs passieren? Da darf man sich an die Euro-Einführung erinnern, als viel Schwarzgeld über beispielsweise Briefmarken, Münzen, Oldtimer gewaschen wurde. Und knacks, danach kam der Einbruch. Mal gucken, was die Russen machen. Der Rubel hat ja auch Schluckauf ;-).

Dass auch dunkle Gestalten kräftig bei den Kryptos mitmischen, dürfte eh jedem klar sein.

Die bösen Skeptiker

….sind natürlich jetzt schuld, wenn die Kurse fallen. So einen Artikel wie diesen gibt es zig mal im Web. Und wir sind schuld, wenn der Hype endet. Blödsinn. Leute, die sich jetzt über fallende Kurse und Kritik aufregen, haben sich schlichtweg verzockt oder wurden abgeledert. Die Schuld für den Einbruch der Kurse sehe ich klar in den Geburtsfehlern der Kryptos sowie den Zockern. Wer sich obendrein noch Geld zum Spekulieren geliehen hat, ist an Leichtsinnigkeit kaum zu übertreffen. Wenn jemand die Schuld an den aktuellen Problemen hat, dann sind es die Promoter, welche das Zeug hochgejubelt haben, obwohl offenbar zu wenig Substanz dahinter steckte. Man möge gefälligst die Propheten steinigen, die ahnungslose Investoren entweder aus Gier oder Dummheit aufs Glatteis führten.

Meine Buchempfehlungen:

„Der Crash“ von William A. Klingaman, leider nur noch antiquarisch erhältlich, über den Crash und die Stimmung 1928/1929.
„The Quants“ von Scott Patterson, nur auf Englisch, eine super Beschreibung der Bankenkrise und Hypothekenblase.

Und zum Schluss noch ein ganz, ganz böser Gedanke:

Wer sagt eigentlich, dass die Kryptos die Handelskurse tatsächlich wert sind? Herausgeber könnten sich Hintertürchen aufhalten und heimlich an der Geldmenge herumschrauben. Herausgeber und Börsen könnten den zeitlichen Handelsverlauf ein klein wenig manipulieren. Herausgeber könnten Spielpartner bevorzugen, Herausgeber könnten Luftnummern als Sicherheit angegeben haben…… wer will das ausschließen? Abwegig? Von wegen. Mt Gox war eine große Bitcoin Börse. Offenbar wurde dort der Preis in kürzester Zeit durch betrügerische Maßnahmen hoch getrieben. Siehe den Bericht bei Techcrunch.

P.S.

Ich hatte allen Bekannten mit Bitcoins sarkastisch empfohlen, das Zeug mit Phantasiekurszielen hoch zu jubeln und dann rechtzeitig auszusteigen. Sehr viel anders werden es auch die Promoter nicht machen ;-).

Ergänzungen:

Facebook hat zwischenzeitlich alle Werbung für Kryptowährungen gesperrt. Damit fällt der Kundenkreis gieriger Deppen deutlich kleiner aus ;-).

Banken in den USA und Großbritannien unterbinden den Kauf von Kryptowährungen per Kreditkarte. Auch hier will man sich offenbar vor zockenden Deppen schützen, damit bei fallenden Kursen bloß keine Miesen bei der Bank auflaufen. Kryptos werden als Sicherheit offenbar nicht mehr seriös eingeschätzt und man kennt als Bank seine zockenden Pleitekandidaten…….

Indien, Taiwan, China, Vietnam, Südkorea haben Kryptos de facto ausgeschlossen. Mehr Staaten dürften folgen.

Seit der Veröffentlichung dieses Beitrags haben die „Investoren“ in Bitcoin (Stand jetzt, 04.02.2018) über 25 Prozent Miese gemacht. Im Vergleich zum Höchststand sogar deutlich über 50 Prozent Miese. Auch bei den anderen Kryptowährungen siehts kaum besser aus. Mehr als warnen konnte man nicht. Wer in der Frühzeit aus Spaß einem Säbelzahntiger auf den Schwanz gehüpft ist, bekam sehr schnelles „Feedback“. Wer – nach den Erfahrungen mit der Dotcom Blase und Immobilienblase – verzockt hat: Selbst schuld.

Eintragungsservice für neue Webseiten – nicht nutzen!

Ich habe mir mal wieder ein paar neue Domains gebucht. Prompt gibt es (natürlich ungefragt) jede Menge Zusendungen via Email. Bisher haben sich so 50 indische Firmen gemeldet, die mir vom Seitendesign über Programmierung bis zur App alles mögliche verkaufen wollen. Was soll ich mit indischem SEOs? Dafür bräuchte man Muttersprachler. Und zig Emails brauche ich auch nicht.

Sofort sind ebenfalls verschiedene „Dienstleister“ zur Stelle, welche kostenpflichtige Einträge oder Anmeldungen bei Suchmaschinen anbieten:

Thank you for registering berlin-XXXXX.com ! The next step you can do for berlin-XXXXX.com is to make sure it is listed in the search engines.
Google, Yahoo, Bing
Getting berlin-XXXXX.com included in the search engines is the first step you should take as a webmaster or domain owner. .
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Please list berlin-XXXXX.com as soon as possible so your new domain is properly indexed.
Marketing Solutions | PO Box 6205 Washington DC 20057
To manage your subscription preferences for XXXXX-XXXXX

Das ist natürlich Unfug. Man braucht solche Anmeldedienste nicht. Wer etwas Online Marketing betreibt, wird sehr schnell von den Suchmaschinen gefunden. Schon die Erwähnung auf Twitter, Facebook oder dergleichen mit einem Link reicht aus, um die Suchmaschinen auf die neue Webseite aufmerksam zu machen. Diese wühlen sich dann brav durch die neue Seite und indizieren die Inhalte. Wer auf Nummer sicher gehen möchte und gleichzeitig Tipps zur Suchmaschinenoptimierung sucht, meldet sich mit der neuen Seite bei der Google Search Console und den Bing Webmastertools an. Schwupps, schon ist die neue Seite im Index und man bekommt obendrein gute Hinweise zur Optimierung.

Also, lasst die Finger von kostenpflichtigen Eintragsdiensten oder irgendwelchen Angeboten, die einfach so in den Posteingang trudeln.