Amazon als Verkaufsplattform – kritisch betrachtet

Rossmann kooperiert mit Amazon

Amazon bietet eine Riesenreichweite, das ist klar. Viele Kunden kaufen dort. Es muss schnell und bequem gehen. Oft vergleichen sie nicht einmal die Preise mit lokalen Händlern vor Ort oder Preissuchmaschinen (die oft sogar günstiger sind). Entsprechend sind so manche Onlinehändler auch mit ihren Angeboten auf Amazon als Verkaufsplattform unterwegs. Das ist verständlich. Meiner Meinung lauern dort aber so manche Fallen, die sogar gefährlich für das eigene Geschäft werden können. Weniger für Rossmann (aufgrund seiner Größe), als den normalen Onlinehändler.

Vorsicht!

Amazon kann logischerweise jede Transaktion eines Händlers mitlesen. Und niemand kann Amazon daran hindern, genau die gleichen Artikel anzubieten, wenn sie gut laufen. Sprich, sobald Amazon merkt, dass ein bestimmtes Produkt gut verkaufbar ist, können sie es selbst in ihr Sortiment aufnehmen und damit dem Händler gewaltige Konkurrenz machen. Das betrifft sowohl Markenartikel, wie auch ganze Produktfamilien. Und nicht nur ein Händler prügelt sich um Markenartikel. Da können schon einige zusammenkommen. Was u.U. den Preis übel drücken kann. Bis es weh tut.

Amazon kann jederzeit die eigenen Angebote bevorzugt gegenüber den teilnehmenden Händlern präsentieren. Sei es, dass sie auf der Webseite an einer attraktiveren Position eingeblendet werden, sei es, dass Amazon auch am eigenen Preis herumspielt. So haben schon manche Händler die Erfahrung gemacht, dass ihr Preis binnen Minuten von Amazon selbst unterlaufen wird. Und da kann es unschön werden. Amazon hat bei eigenen Angeboten die volle Gewinnspanne. Händler müssen immer noch ihre 10+ Prozent an Amazon abgeben. Eigentlich halte ich so einen Wettbewerb schon für ziemlich unfair.

Die Rücksenderegelung bei Amazon ist extrem verbraucherfreundlich. Im Umkehrschluss bekommen die Händler das volle Risiko aufgebürdet: Werden Waren während der gesetzlich zustehenden Testphase beschädigt, kann man sie nicht mehr normal weiter verkaufen. Amazon hat dafür seinen eigenen B-Ware Marktplatz. Ein normaler Händler bleibt erst einmal auf den Retouren sitzen. Er muss sie dann sortieren, ggf. aufarbeiten und eventuell auf anderen Wegen mit Verlust verkaufen. Schon eine angefledderte Verpackung kann für einen irren Wertverlust sorgen. Wenn bspw. das ehemals neue Handy in einem angedepperten Karton zurückkommt, ist ganz schnell die Marge weg. Kaum ein Kunde nimmt freiwillig solche Ware, wenn es nicht einen gehörigen Preisabschlag gibt.

Amazon kann jederzeit die Auszahlung an einen Händler zurückhalten. Das wird mit Risiken für Retouren und Reklamationen begründet. Nun, wenn ein kleiner Händler seine vorfinanzierte Ware erst 90 Tage nach der Bezahlung durch den Kunden selbst bezahlt bekommt, kann das extrem eklig für die Kapitaldecke werden.

Wofür Amazon gut ist

Wann kann man Amazon nutzen? Nun, genau wie bei ebay: Appetithäppchen, ausgewählte Sortimente, Resteverkauf oder einzigartige Produkte sind so schnell nicht kopierbar. Mit Appetithäppchen bekommt man Kundendaten. Obwohl man hier schon sehr aufpassen muss, dass man nicht gegen die Amazon Verträge oder den Datenschutz verstößt! Ausgewählte Sortimente und Restposten kann man relativ schnell in den Markt drücken, wenn man sie los werden will. Alles, was Amazon nicht kopieren kann oder darf (Exklusivverträge von Lieferanten mit geschützten Designs, etc.. bis hin zu selbst hergestellten Waren) ist relativ sicher. Aber auch hier bekommt Amazon jedes Mal die Kundendaten mit. Was sollte sie abhalten, funktionierende Sortimente nachzuahmen?

Alternativen zu Amazon FBA

Ein Ausweg von Amazons Versandservice FBA kann sein, die Auslieferung seiner Produkte an einen Dienstleister zu verlagern, der selbst keinen Verkauf betreibt. Sprich, der nicht in Konkurrenz zum eigenen Geschäft tritt und die Kundendaten nur treuhänderisch für den Versand nutzt. Da fiele mir beispielsweise Portica ein, langjährig erfahrener Dienstleister für Dropshipping (nannte man damals noch Streckengeschäft), Kommissionierung und natürlich seit einiger Zeit auch tätig für E-Commerce und Shops. Das ganze nennt man dann Fulfillment. Nebenbei überträgt man damit auch die lästige Verpackung, Sicherung des Lagers, Sendungsverfolgung und notfalls sogar Zollformalitäten an einen Spezialisten. Meines Wissens können sie dort auch Daten gängiger Shopsysteme übernehmen und gleich in Adressaufkleber und Freimachung (Porto) umwandeln. Es geht also auch externer Versand ohne Amazon und seine Risiken bei gleicher Zuverlässigkeit.

Steuertricks

Kommen wir noch zu einem sehr unschönen Thema. Steuern. Wie auch bei Apple, PayPal, Ikea, Starbucks, ebay, Subway und weiteren großen Firmen, bleibt vom Amazon Gewinn in Deutschland recht wenig an Steuern hängen. Prozentual weniger als der brave Einzelhändler um die Ecke oder der kleine Versender zahlt. Eigentlich macht man sich so seine Konkurrenz selbst groß. Erstens gibt der Amazon Händler eine schöne Provision an den Verkaufsplatz, dann liefert er auch noch brav alle Kundendaten sowie Kundeninteressen, macht sich obendrein vom Wohl und Wehe des Zahlungsverkehrs abhängig. Und zuletzt kommt der Versandriese mit deutlich weniger Steuern davon als der Händler selbst. In Summe nicht sehr schlau.

Wie kann man sich als Händler unabhängiger machen?

Auf jeden Fall mehrere Plattformen nutzen! Schon zur Blütezeit von ebay hat es diverse Händler erwischt, die nur auf ebay unterwegs waren. Ein leichter Schluckauf im System konnte das Ende des Geschäfts bedeuten. Seit langem kann ich nur jedem Onlineshop raten, sein Marketing und seine Vertriebswege sowie das Risiko zu streuen. Amazon ist nicht der einzige Absatzkanal und sollte es mE auch nie sein! Da gibts noch das oben erwähnte ebay – allerdings oft mit eher niedrigen Preisen. Über gute Preissuchmaschinen sind Kunden erreichbar. Wer sich mit Adwords, Bing oder Facebook Ads auskennt, kann Produkte hierüber bewerben. Soziale Netze können Zubringer für Kunden sein. Die Suchmaschinenoptimierung ist eine weitere Möglichkeit. Oder wie ist es mit der Aktivität in Foren? Alles machbar.

Kann man ohne Amazon auskommen? Ja. Fangen wir an bei der Bewerbung von Produkten. Amazon hat ein Riesensortiment und kann gar nicht alles gleich gut bewerben. Da gibts genug Lücken für Versender mit gutem Online Marketing. Sei es über Adwords, SEO, Preissuchmaschinen, Social Media. Es gibt Alternativen für reine Versanddienstleistungen, siehe oben Portica. Und nicht zuletzt entstehen lokale Verbünde………

Priorität sollte immer der eigene Shop haben!

Heutzutage bekommt man recht günstig schon brauchbare Shoplösungen bei gängigen Providerangeboten. Wer mehr Leistung will, lässt sich bspw. ein Shopware auf einem managed Server einrichten. In jedem Fall hat man dann die volle Kontrolle über die eigenen Daten und kann seine Produkte beliebig bewerben. Da kann Amazon durchaus nur noch als Präsentationsfläche für Appetithäppchen eingesetzt werden, damit man an Kundendaten herankommt………… und ansonsten fährt man eine schön diversifierte Marketingstrategie.

Influencer Marketing – naaajaaaa

Da hatte sich doch vor kurzer Zeit noch so eine Art Verband der Influencer für Social Media gegründet. Nun, seit langem werden Meinungsmacher mit Geschenken oder auch Cash bezahlt, damit sie bestimmte Produkte oder Leistungen positiv hervorheben. Klassisch bezeichnet man so etwas einfach als Schleichwerbung – und was anderes ist es meist auch nicht. Abgesehen davon, dass den so tätigen Influencern und Werbetreibenden eventuell Strafen nach §5, Absatz 6 UWG drohen (oder Steuernachzahlungen bei „Hobbyinfluencern“….;-) ), kommt es immer darauf an, ob man auch die passende Zielgruppe erwischt.

Zielgruppe, Zielgruppe und nochmals Zielgruppe!

Das sollte schon irgendwie stimmen. Der für Werbung eingesetzte Internetstar muss die passende Gefolgschaft haben. Wer heiße News rund um Grafikkarten präsentiert, taugt nicht als Vermittler von Girlieshirts. So mal einfach formuliert.

Leider messen gerade viele Influencer und deren Marketingpartner die Reichweite und sonst nichts. Es wird sich oft erschreckend wenig für Zielgruppe, Absatzzahlen und Gewinn interessiert. Hauptsache hip, oft gesehen werden, cool, voll auf der Welle mitschwimmen. Bloße Hypes haben aber im Online Marketing bisher nur eher selten und dann auch noch für nur wenige Werbetreibende funktioniert. Klar, ich kann wohlgesülzt sämtliches Zeug anbieten, worüber gerade bei Werben und Verkaufen, Akquisa oder Brand Eins geschrieben wird. Oder gleich im Manager Magazin. Schwupps rennt die Hammelherde von Beratern, Trainern und Coaches los.

Da fehlt oft das Basiswissen und Erfahrung

Der neueste Trend, der neueste Hype ist immer nur so gut, wie die Leute, die ihn einsetzen. Muss nicht immer sinnvoll, gut ausgeführt oder auch zulässig sein. Hauptsache, es wird ahnungslosen Kunden angedreht. Was gerade von Verkäufern als Influencer Marketing auf sogenannten Businessforen als brandneue Entwicklung durchgekaut wird – eigentlich uralt. Und selbst das wird oft nicht beherrscht.

Völlig unnütz

Wieder einmal habe ich völlig ungefragt eine Mail bekommen. Und wieder mal wird ein Service angeboten, der meiner Meinung nach überhaupt nichts bringt. Es geht sich um die Registrierung bei Suchmaschinen.

Das kann man genau so gut selbst machen, wenn es das verwendete System nicht sowieso schon automatisch macht. Beispielsweise WordPress, auf dem Sie hier gerade lesen, meldet sich netterweise selbst, wenn es etwas Neues fürs Web hat. Das Standardsystem hierfür heißt Ping-o-Matic.

Wer wissen will, was die Suchmaschine von der eigenen Webseite hält, meldet sich beispielsweise über die Google Search Console mit seiner Webseite an. Google Account anlegen, Search Console aktivieren, ein kleines Codeschnipsel in die Webseite einfügen – und schon grast Tante Google den Webautritt brav ab. Dazu gibt Google sogar noch jede Menge Tipps, wie man die eigene Webseite verbessern kann und wo Probleme drohen. Analog funktionieren bei Bing die Webmastertools. Der Zeitaufwand liegt jeweils so um die 5 – 10 Minuten.

Dann hätten wir noch Google Places. Gleiches Schema: Anmelden, eintragen, fertig. Das dürfte auch jeder Laie schaffen.

Die ganzen automatischen Anmeldesysteme oder beispielsweise den Eintrag in verschiedene, nachrangige Suchmaschinen halte ich aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung für einen ziemlichen Unfug. Auch für den Linkaufbau kommt da nix Vernünftiges bei raus.

Entsprechend kann ich von solch ungefragten Angeboten nur dringend abraten. Teuer und weitgehend wirkungslos.

Attention: Important, DOMAIN SERVICE
Domain Name: INDUSTRIE-KOMPRESSOREN.COM

Call: 1-631-378-1456

ATT: Domain Owner GEORG GROHS
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GEORG GROHS ONLINE MARKETING
GEORGXXXXXX@XXXXXX.DE
BRABANTER STR. 153 – – VIERSEN – UNKNOWN – 41751
GERMANY
WWW.INDUSTRIE-XXXXXXXXXXX.COM

Requested Reply Before
May 16,2017

PART I: REVIEW SOLICITATION

Attn: Domain Owner GEORG GROHS
As a courtesy to domain name holders, we are sending you this notification for your business Domain name search engine registration.

This letter is to inform you that it’s time to send in your registration and save.

Failure to complete your Domain name search engine registration by the expiration date may result in cancellation of this proposal making it difficult for your customers to locate you on the web.

Privatization allows the consumer a choice when registering. Search engine subscription includes domain name search engine submission.

You are under no obligation to pay the amounts stated below unless you accept this proposal. Do not discard, this notice is not an invoice it is a courtesy reminder to register your domain name search engine registration so your customers can locate you on the web.

This Notice for: WWW.INDUSTRIE-XXXXXXXXXX.COM will be terminated on May 16, 2017 Act today!

[ ] 1 year 05/16/2017 – 05/16/2018 $75.00
[ ] 2 year 05/16/2017 – 05/16/2019 $119.00
[ ] 5 year 05/16/2017 – 05/16/2022 $199.00
[ ] 10 year -Most Recommended- 05/16/2017 – 05/16/2027 $295.00
[ ] Lifetime (NEW!) Limited time proposal – Great value! Lifetime $499.00

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Call our New York main office: (631)378-1456

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Lokale Webprojekte im Vormarsch

Das dürfte interessant werden für viele Verlage: In Konkurrenz zu den Lokalausgaben agieren mehr lokale Gruppen auf Facebook. Natürlich sind die nicht allzu langzeitstabil, weil gerade hier Emotionen oft schnell und heftig hoch kochen. Anders sieht es bei den immer öfter anzutreffenden lokalen Webseiten aus, die von eigenständigen Unternehmen betrieben werden. Hier in meiner Heimatstadt ist gerade die Webseite Viersen Inside entstanden. Das System ist völlig unabhängig von den Lokalteilen beispielsweise der Rheinischen Post oder auch den üblichen Anzeigeblättchen mittwochs und samstags.

Da werde ich neugierig. Zumal ich in grauer Vorzeit, also vor 1998, ja auch durchaus als Journalist tätig war. Seit langem haben sich schon Stellenanzeigen, der Verkauf von Autos oder auch Angebote rund um Immobilien, Wohnungen und vieles mehr weg von den Tageszeitungen ins Web verlagert. Das übernahmen die großen Player wie Autoscout, Mobile.de, Immowelt oder auch Monster, Stepstone und andere. Denen fehlt aber die redaktionelle Berichterstattung aus der Region.

Gleichzeitig sind die neuen Unternehmen deutlich flexibler und oft auch schneller unterwegs als die immer noch ziemlich trägen Verlage. Qualitativ kann übrigens so manche Webseite nicht nur mit den Digitalausgaben der Tageszeitungen mithalten. Sie beleuchten oft sehr viel genauer Hintergründe, machen auch nicht mehr Rechtschreibfehler als normale Journalisten und sind ziemlich unabhängig von den doch sehr oft anzutreffenden Beziehungsgeflechten der Lokalausgaben. Das ist übrigens generell ein zunehmendes Problem bei Zeitungen. Ohne die passenden Anzeigenkunden und politische Strippen wäre der klassische Verlagsapparat oft ziemlich gebeutelt. Ergo sinkt die Reputation gerade derjenigen, welche sich selbst als Qualitätsmedien proklamieren, oft merkbar.

Mit den überall verfügbaren WordPress, Typo3, Joomla oder Drupal kann man schon richtig gute Seiten bauen und betreiben. Der Betrieb einer solchen Plattform ist nicht teuer. Wenn hier journalistisch interessierte Menschen über ihre Stadt und die Ereignisse berichten, kann man durchaus von einer Bereicherung der Medienlandschaft sprechen. Ich bin gespannt, was sich damit in Viersen tun wird. Auf jeden Fall werde ich den einen oder anderen Beitrag wohl beisteuern. Sozusagen Mitmachjournalismus mit sehr breit ausbaubaren Optionen. Vielleicht ist das schon der Trend deutlich über Tageszeitungen oder Huffington Post hinaus.

Webseitenbetreiber sollen für Links haften – bei Urheberrechtsverstößen

Eine Kammer des Landgerichts Hamburg hat geurteilt, dass Betreiber kommerzieller Internetseiten für ausgehende Links haften sollen. Und zwar bei Urheberrechtsverstößen auf der Zielseite. Das darf man sich ruhig einmal auf der Zunge zergehen lassen. Niemand kann sagen, ob ein Webseitenbetreiber beispielsweise seine Fotos alle brav lizensiert hat. Entsprechend ist es unmöglich, eine Haftung für einen Link auf genau diese Seite irgendwie zu übernehmen.

Nehmen wir einfach mal die großen Portale. Sei es der Nachrichtendienst der Telekom, GMX, Yahoo oder Microsoft. Wie zur Hölle soll man wissen, ob die bei einem neuen Beitrag meinetwegen ein ganz normales Stockfoto oder ein Promibild auch sauber eingekauft haben? Laut den Hamburger Richtern wäre also ein Link auf die Startseiten der Portale mit in der Abmahnfalle, wenn meinetwegen aus Versehen ein Mitarbeiter der Zielseite die Gebühr fürs Foto nicht bezahlt oder falsch lizensiert hat.

Das halte ich für absoluten Blödsinn. Klar ist, dass man keine Links auf Seiten setzt, wo irgendwie erkennbar ein Urheberrechtsverstoß oder auch beispielsweise ein Verstoß wegen Beleidigung offenbar vorliegt. Aber wie soll ein Webseitenbetreiber ahnen können, ob nicht irgendwelche Rechtsverstöße bei Inhalten vorliegen? Das ist nicht möglich – zumal sich im Internet Inhalte dauernd dynamisch ändern. Gerade die Startseiten von Newsdiensten, Portalen und zig anderen Seitentypen ändern sich fortwährend. Nach Auffassung der Hamburger „Internetexperten“ muss man das also jedesmal hinterfragen. Blödsinn. Technisch undurchführbar. Vom Verwaltungsaufwand so hoch, dass man ganze Seiten stilllegen könnte.

Während dessen sind deutsche Gerichte bei den richtigen Knackpunkten im Web erstaunlich zahnlos. Hetze auf Facebook, russische Angriffe auf deutsche Seiten, Beschiss mit Betrugsmails, der Abmahnwahn oder auch die Steuervermeidung der Internetriesen werden einfach nicht angegangen. Statt dessen soll sich jeder kleine Webseitenbetreiber um die Inhalte ausgehender Links kümmern – von denen das Web zu einem großen Teil lebt. Natürlich wird dies auch für Onlineportale, Blogs und die Onlineauftritte von Zeitungen gelten. Upps, da kann man gleich manche Quellenangabe, Referenzierungen und vieles mehr faktisch vergessen. Schönen Gruß an die Pressefreiheit.

Wenn dieses Urteil nicht schnellst möglich kassiert und in vernünftige Bahnen gelenkt wird, ist dies ein erheblicher Schaden für sehr, sehr viele deutsche Webseitenbetreiber. Die Funktionalität wird abnehmen, die Vielfalt abnehmen und mit andauernden Prüfungen werden deutsche Webauftritte im internationalen Vergleich viel zu teuer. Volkswirtschaftlicher Wahnsinn. Ich glaube, die Herren in den Roben haben wenig Ahnung, dass sie damit bis hin zur Pressefreiheit fröhlich am Internet herumsägen.