re:publica, Bundeswehr und Shitstorm

Die Veranstalter der re:publica wollten Informationsblasen abbauen, Netzkultur pflegen. Die Bundeswehr wurde ausgesperrt, weil sie ganz normal in Uniform (wie Polizei oder Feuerwehr) einen Stand betreiben wollte. Schon im letzten Jahr war die Bundeswehr ausgegrenzt, offizielle Begründung war eine verspätete Anmeldung.

Informationsfreiheit – aber bitte nur unsere

Wie passt eine Ausgrenzung zur Informationsfreiheit? Zur freien Meinungsäußerung? Die vorgeschobene Begründung war, dass man Personalgewinnung durch die Bundeswehr verhindern wollte. Das wiederum darf man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Veranstalter der re:publica möchten zensieren, beeinflussen, wer überhaupt eventuell Mitarbeiter gewinnen darf. Natürlich ist das schon eine massive politische Einflussnahme. Und zwar ausgerechnet von den Leuten, welche Unabhängigkeit und Offenheit propagieren. Für mich persönlich ist das schon reichlich manipulativ, wenn nicht gar verlogen. Auf jeden Fall entlarvt es eine politische Ausrichtung. Was nicht gewünscht ist, findet entsprechend auch nicht statt.

Guerilla Marketing

Nun, weil die Bundeswehr nicht teilnehmen durfte, fuhr sie einfach mit einem Transporter und einer Plakatwand vor. Eine aus Marketingsicht ziemlich coole Aktion und passende Reaktion auf die Ausladung. Sie verteilte Flyer und bot den Messebesuchern ganz offen Gespräche an. Auch wieder falsch. Schwupps empörten sich die Veranstalter der re:publica. Eigentlich haben sie sich dadurch noch weiter in die Ecke der Unglaubwürdigkeit manövriert.

Shitstorm

Für genau dieses Vorgehen kassiert die re:publica einen heftigen Shitstorm. Von Bundeswehr über Reservisten, von unabhängigen Journalisten bis zu Zeitungswebseiten, von empörten Benutzern bis zu Vertretern echter Meinungsfreiheit hagelt es Kritik. Auf diese Kritik wiederum reagiert die re:publica, selbsternannte Verfechter der Meinungsfreiheit, meines Erachtens extrem dünnhäutig. Warum? Meinungsfreiheit heißt nicht Bevormundung. Oder doch?

Meinungsgewichtung?

Allerdings werden wohl viele Negativkommentare in sozialen Netzen nicht berücksichtigt oder ausgeblendet. Offenbar greifen fehlerhafte Mechanismen, welche die Empörung der Benutzer und Leser falsch einordnen. Dabei läuft auf allen Kanälen, außer bei eher links einzuschätzenden Blättern, die berechtigte Nachfrage, ob die re:publica sich nicht genau so verhält, was sie am meisten kritisiert. Wenns nicht passt, findets nicht statt. Die Kritik daran scheint unterproportional wiedergegeben zu werden. Upps, haben die sozialen Netze dort eine Schwäche, können sie auch so die politische Wahrnehmung beeinflussen?

Luft rausgelassen

Der Protest gegen die Aussperrung der Bundeswehr hat auch Einfluss auf bspw. die Bewertung der Veranstaltung. Bisher war Friede, Freude, Eierkuchen. Man feierte sich gegenseitig. Die öffentliche Wahrnehmung war geprägt durch Selbstlob und Multiplikatoren der Teilnehmer. Nun sind viele sauer und haben massiv 1-Sterne Bewertungen (auch ich) auf bspw. Facebook verteilt. Was bislang als so eine Art selbsterklärter Meinungsführerschaft unterwegs war, ist ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Die re:publica vertritt eben nicht die Digitalgemeinde sondern nur einen kleinen Teil des Spektrums. Einen kleinen aber bislang sehr öffentlichkeitswirksamen Teil. Und das wohl durchaus politisch stark eingefärbt. Durch die kritische Berichterstattung in den Medien und auch die Gegenreaktionen verliert die Veranstaltung den selbstproklamierten Glanz und auch ihre oft gefühlte Meinungsführerschaft. Dies kann durchaus ein Paradebeispiel werden, was Resonanz und tatsächliche Wirkung oder vermeintliche Interessensvertretung und Mehrheiten im Internet angeht.

Medienecho

An der re:publica kann man sehen, wie sich auch das Medienecho um die Messe aufgebaut hat. Verschiedene Medienanstalten bis hin zum Deutschlandradio sind vertreten. Letztere sogar mit einem gläsernen Studio in der Halle. Dem Deutschlandradio ist natürlich keine politische Einflussnahme vorzuwerfen, in der Regel sind die Berichte fair. Aber es besteht die Gefahr der Bedeutungserhöhung für dieses Event. Was eben nicht mehr die reale Bedeutung wiederspiegelt. Einfach mal umschauen. Nehmen wir nur die Veranstaltungen zum Online Marketing. Ein digitaler Wirtschaftsbereich mit sehr genauer Beobachtung bspw. von Verhaltensflüssen im Netz (hoch interessant). Da hätten wir als große Konferenzen und Messen die CPX, Tactixx, Bits&Pretzels, SEOkomm, dmexco, SEOday und zig mehr. Mit zig Tausenden Besuchern, alleine die dmexco hat 40.000. Und meistens Internetprofis. Die re:publica meldete 10.000 Besucher. Neben den Messen zum Online Marketing gibts aber noch die CeBIT, jede Menge lokale Angebote, Veranstaltungen für Shopping, Lifestyle, Haustechnik, Bildung, Sicherheit bis hin zur Gamescom für Computerspieler mit ihren 350.000 Besuchern. Somit deckt die re:publica einen deutlich kleineren (und m.E. nicht unbedingt feineren oder kompetenteren) Bereich ab, als es die digitale Welt ausmacht.

Chance verpasst

Das Kommando CIR der Bundeswehr dürfte einiges zu netzbasierten Angriffen auf Europa und Deutschland sagen können. Seien es russische Attacken auf Verfassungsorgane, sei es Datenklau in der Wirtschaft durch China. Das ist Realität im Netz und mit Sicherheit hoch interessant. Auch dürfte die Bundeswehr einiges an Informationen zu Fake News oder Propaganda haben, mit denen bspw. Russia Today, Sputnik, Anna News oder auch die Trollarmee Russlands seit langem arbeiten. All so etwas kann zum Abbau von Filterblasen beitragen. Was mir bspw. immer wieder im Netz begegnet, ist die Verteufelung der Nato wegen der Osterweiterung. Dabei kommen immer wieder Märchen auf (auch gerne von bspw. linken Politikern oder AfD), das sei alles vertragswidrig. Blödsinn. Die Frage, warum man demokratischen, osteuropäischen Staaten zudem die Flucht unter einen Schutzschirm versagen möchte, gehört ebenfalls diskutiert.

Heuchel hier, heuchel da

Die re:publica lässt sich dick bezuschussen. Von Ministerien der Bundesrepublik. Und der EU. Dazu geben noch drei Bundesländer und Medienanstalten Geld. Gleichzeitig warf der Veranstalter, Beckedahl, der Bundeswehr vor, ggf. für einen „politisch fragwürdigen Angriffskrieg im Internet“ zu rekrutieren. Zynisch ließe sich sagen: Na hoffentlich erfährt das Bundesinnenministerium davon, dass die Bundeswehr einen Angriffskrieg will und erzählt es schnell der Bundeskanzlerin. So ganz scheint bei den Veranstaltern noch nicht angekommen, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Aber Hauptsache dagegen.

Informationsblasen

Das offizielle Ziel der re:publica war der Abbau von Informationsblasen. Wenn man aber selbst zensiert und eine politisch genehme Umgebung schafft, baut man genau diese Informationsblasen auf. Gescheitert. Meinungsfreiheit gerne – so lange es die eigene Meinung ist. Das ist weder demokratisch, noch ehrlich, noch offen.

Facebook Datenschutz – Cambridge Analytica

Zurzeit schlägt die Affäre um Cambridge Analytics hohe Wellen. Das Unternehmen hat massiv Daten von Benutzern aus Facebook abgegriffen und für seine Zwecke genutzt. Facebook sieht sich als Opfer, der Aktienkurs gab nach.

Quatsch

Facebook bietet Kunden sehr weit reichende Möglichkeiten, Daten zu sammeln. Facebook lebt immerhin von der Werbung. So ist schon bei der Schaltung bezahlter Anzeigen eine recht genaue Zielgruppenselektion möglich. Und woher kommen diese Einstellungsmöglichkeiten? Klar, von Facebook selbst. Wem sonst.

Noch drastischer wird es, wenn man auf die Schnittstellen von Facebook zugreift. Schnittstellen, die wohlgemerkt Facebook selbst zur Verfügung stellt. Hier braucht man an sich nur munter Daten sammeln und diese einigermaßen intelligent korrelieren. Schon hat man sehr weit reichende Ansätze, Vorlieben von Benutzern heraus zu finden. Oder auch politische Meinungen. Oder auch wirtschaftliche Daten.

Da lässt sich schon Einiges zusammensetzen.

Auch tut Facebook ja immer so datenschützerisch. Auffällig aber ist, dass (natürlich rein zufällig) passende Werbeeinblendungen aufplöppen können, wenn man zuvor mit anderen Benutzern vermeintlich privat per persönlicher Nachricht kommuniziert hat. Genau das konnte ich schon öfter beobachten.

Auch bei Whatsapp ist wohl längst nicht alles so privat, wie der Konzern glauben machen möchte. Entsprechende Berichte kursieren seit Jahren.

Ich finde das Verhalten von Facebook scheinheilig. Man macht munter Geld mit Daten. Privaten Daten. Privaten Meinungen. Privaten Ansichten und Aktivität der Benutzer.

Wer jetzt aus allen Wolken fällt, hat Facebook nicht begriffen.

Bitcoin Probleme – und andere Kryptowährungen

Zurzeit befindet sich der Bitcoin im Sinkflug, mal wieder. Wer zu spät eingestiegen ist, macht Verluste. Trotzdem gibt es noch einen irren Werbedruck, bei Bitcoin, Ether oder Ripple und sonst zig anderen einzusteigen. Die Callcenter telefonieren sich die Finger wund und quasseln vermeintliche Investoren zu, die Spammails laufen wie verrückt, in sogenannten Businessforen tummeln sich die Anwerber und obendrein springen viele Trittbrettfahrer bis hin zu Pyramidensystemen und Binärsystemen auf. Fast könnte man meinen, demnächst kommen sogar die Kaufempfehlungen vom Taxifahrer. Hier eine der typischen Spammails, diesmal vom „Bitcoin Code“, die zig mal eintrudelte:

Bitcoin Code Werbung

Unübersichtlicher Markt

Aktuell gibts weit über 1.000 Kryptowährungen weltweit. Das reicht von den bekannten Standards bis hin zu absoluten Exoten – de facto aus Hinterhofwerkstätten. Dazu kommen unterschiedliche „Börsen“, an denen die Währungen gehandelt werden. Eine Börsenaufsicht gibts in den meisten Fällen nicht. Es sind alles Privatunternehmen, welche dort munter herumwerkeln. Ok, jetzt wird es noch intransparenter: Was tatsächlich von wem gehandelt wird und mit welchen Interessen, bleibt komplett undurchsichtig. Spekulanten oder Zocker können durchaus den Kurs manipulieren, wenn sie sich nur halbwegs abstimmen. Wobei, wer weiß denn schon, wie seriös die Börsen selbst sind? Ohne Bafin oder SEC (die sowieso schon oft reichlich zahnlos unterwegs sind), ist der Manipulation in vielen Fällen Tür und Tor geöffnet. Sicherheitslücken können bestehen und welche Interessen der Börsenbetreiber selbst an eventuellen Kursmanipulationen hat, ist wieder ein neues Thema.

Keiner weiß, was sich durchsetzt

Über 1.000 neue Währungen? Was soll davon praktisch handelbar sein? Mit Sicherheit wird so manche Währung auf der Strecke bleiben. Sei es, dass eine Schwurbelbude einfach schließt und sich bei den Investoren herzlich bedankt. Sei es ein regionaler oder internationaler Verdrängungswettbewerb. Seien es Vorlieben der Verbraucher (ich hätte aber gerne meinen Lohn in Kleinkleckersdorfdollar, genau wie die anderen Kumpels…). Seien es Akzeptanzprobleme im praktischen Markt. Letzteres heißt einfach Folgendes: Kein Shopbetreiber wird so dumm sein, 1.000 Währungen als Zahlungsmöglichkeiten zu hinterlegen. Dafür ist der Aufwand und das Kursrisiko viel zu hoch. Händler kalkulieren nun einmal gerne. Und eben mal über eine Schnittstelle 1.000 Währungen aktuell um zu rechnen, ist nicht nur sehr aufwändig in der Technik. Es ist schlicht im praktischen Betrieb viel zu teuer. Aber ich warte sowieso noch darauf, dass mein Bäcker seinen eigenen Krypto startet ;-).

Regulierung im Anmarsch

Böse Jungs können Kryptowährungen missbrauchen, genau wie richtige Währungen. Es sei hier an die Griechenlandkrise erinnert, als massiv gegen den Euro gezockt wurde. Ob sich das alle Staaten bieten lassen? Nun, die deutsche Politik scheint noch ebenso herum zu dösen, wie die EZB. Ganz anders sieht es in Asien aus. Vietnam hat bereits den Handel mit Kryptos verboten, China de facto auch, Taiwan ist extrem vorsichtig. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass China seine eigene Kryptowährung heraus bringt, diese reguliert und genau wie den Yuan gegen Euro und Dollar einsetzt. Oder diesmal gegen Bitcoin, Ether und Ripple. Es ist ein totalitäres Regime, dass sich nicht gerne die Kontrolle nehmen lässt und die Währung schon immer als „Wirtschaftshilfe“ nutzte. Auch und vor allem, wenn es um Geldflüsse ins Ausland oder künstliche Verbilligung chinesischer Produkte geht. Indische Banken beschränken ebenfalls schon massiv den Kryptohandel. Japan ist dagegen offen (noch). Es ist damit zu rechnen, dass die geplagten japanischen Banken ein neues Spielfeld bekommen sollen. Naja, ob man denen wiederum dann trauen kann?

Noch mal zurück zur EZB. Kann gut sein, dass der Hype erst einmal weiter geduldet wird. Das gibt ja Steuereinnahmen. Nur wird die Geduld nicht endlos sein. Wenn sich so langsam die Auswüchse und Verrücktheiten heraus kristallisieren, dürfte Europa einschreiten. Und sei es über den Umweg Verbraucherschutz und Anlegerschutz. Ganz zu schweigen wird die EZB einschreiten müssen, falls irgendeine Kryptowährung den stabilen Handel des Euro bedroht. Hierfür bräuchte man bei den Kryptos nur Phantasiekurse, die hoch manipuliert werden. Genau das wird weder der Bundesbank, noch der EZB gefallen, noch wird sich Europa von so etwas abhängig machen.

Alles schon mal da gewesen

Wo sind die Ähnlichkeiten zu vergangenen Problemen? Zu Zeiten des Neuen Markts (Dotcom-Blase) wurde jede Aktie hochgejubelt, die nur irgend etwas mit Internet zu tun hatte. Heute wird alles hochgejubelt, was irgendwie mit Kryptowährung oder Blockchain zu tun hat. Als Beispiel sei Kodak genannt (ja, genau die, welche die Digitalkamera erfunden und dann verschlafen haben). Nur aufgrund der Ankündigung, Kodak würde seine eigene Kryptowährung heraus bringen, verdoppelte sich der Aktienkurs. Mehr steckt nicht dahinter. Weder ein besonders tolles, neues Produkt, überraschend gute Umsatzzahlen oder sonst was. Sprich, das Publikum fährt voll auf eine Ankündigung ab und rechnet nicht nach, ob da Substanz hinter steckt. Und genau wie bei der Immobilienkrise wird munter gezockt, gehebelt, geliehen und spekuliert. Ob die Kryptowährungen ein solides Fundament darstellen, ist dabei genau so uninteressant, wie einst die tatsächlichen Werte der amerikanischen Schrotthypotheken. Kann mans handeln, kann man am Handel verdienen. Und schwupps sprießen die Binäroptionen dubioser Anbieter, Banken geben Optionen heraus und so weiter.

Psychologie

Wo etwas beworben wird, steckt natürlich auch Psychologie dahinter. Bei den Kryptos ist es hauptsächlich Gier und die Hoffnung aufs große Geld. Entsprechend werden die irrsten Charts gebastelt. Da meinen einige tatsächlich, saisonale Schwankungen anhand einer gerade mal 2-jährigen oder 3-jährigen Entwicklung plausibel zu machen. Andere labern von der großen Freiheit, die Kryptos bringen sollen. Die EZB, die Banken und alle sind sowieso böse, demnächst knallts sowieso und ihr Investment ist das einzig wahre. Von hier bis zur Kursprognose mit Aluhut ist es dann auch nicht mehr weit. In der Tat wirbelt mit den Kryptos alles Mögliche von Hoffnung über Misstrauen bis zur Gesellschaftskritik durchs Internet. Was davon esoterisch angehaucht ist, intellektuell halbgar oder schlichtweg Manipulation zum eigenen Nutzen, kann man zunehmend schwerer auseinander halten……. jedenfalls arbeiten viele der Spammer mit der puren Gier der Anwender, hier „Bitcoin Loophole“, die 5-fach auf meinen Webseiten zugeschickt wurde:

Bitcoin Loophole Spam

Jetzt werden sogar schon flächendeckend Seminare, Schulungen und Trainings angeboten, wo man die tollsten Dinge zu höhren bekommt. Von Fachleuten. Klar, aber sicher. Nur gibt es so gut wie keine Finanzfachleute bei Kryptowährungen. Dafür ist das Zeug zu jung und instabil. Naja, wer diesen Quatsch schon mal gesehen hat, kann sich das sparen. Die machen oft nichts anderes als die berüchtigten Motivationsredner oder sonstige Verkäufer: Sie hoppeln beim Hype mit und halten das Händchen auf.

Vertrauen ist die Basis jeder Währung. Kaum knackt es beim Vertrauen etwas, schon können Digitalwährungen 20 Prozent einbrechen – binnen Stunden. Solche Schwankungen gabs zuletzt bei den richtig großen Crashs. Also Dotcom-Blase, 9/11 oder Immobilienkrise. Und ausgerechnet die, welche dem Euro nicht vertrauen, wenden sich jetzt den Kryptos zu. Einem intransparenten Markt mit enormen Risiken. Na, das nenne ich doch mal praktische Ironie ;-). Auch hier habe ich kein Vertrauen:

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Auch typisch und altbekannt seit dem guten alten Crash 1928/1929: Die Durchhalteparolen. Man spricht sich gegenseitig Mut zu. Die Promoter rufen zur Verteidigung des christlichen Abendlandes, Entschuldigung, der psychologisch wichtigen Marke von 8.123,45 EUR auf. So ein Quatsch. Die meisten handeln aus Eigeninteresse oder Panik.

Damit sich auch das letzte Opfer, Entschuldigung, der letzte Investor noch die teureren Kryptos leisten kann, werden schon einige Währungen künstlich aufgespalten. Will heißen, dass bspw. der Bitcoin schon „Nachwuchs“ bekommen hat. In einem normalen Aktienmarkt ist so ein Split Standard. Beispielsweise total solide Firmen machen aus einer Aktie zwei, damit auch kleinere Investoren einsteigen können. Bei der Kryptos vermute ich hingegen nicht so wohlwollende Absichten………

Analysten

Der Kabarettist Volker Pispers erklärte das Wort Analyst als eine Kombination aus „anal“ und „Lyse“. Die Kryptos sind so neu, das Geschäftsgebaren der Mitspieler so unberechenbar und auch die Eigeninteressen der „Analysten“ so diffus, dass ich an die Glaskugel auf Jahrmärkten denken muss. Für klassische Währungen gibts zig Modelle unter Einbeziehung der Staatsverschuldung oder Branchenindizes bis hin zu Wechselkursrisiken. Wer jetzt meint, den Stein der Weisen gefressen zu haben: Na, dann mal viel Spaß. Einerseits verhalten sich die Kryptos ähnlich Aktien in einem Hype, andererseits wie Währungen. Erfahrungswerte liegen logischerweise historisch nicht vor. Wer jetzt munter herumträllert, was für Kursziele zu erwarten sind, kann genau so gut aus dem Kaffeesatz vorlesen.

Während dessen rasen die Kurse hoch und runter. Entsprechend wird es bestimmte Computermodelle geben, die irgendwas handeln. Und hier tippe ich einfach mal: Die Promoter sitzen auf einer ziemlichen Menge Kryptos und pushen das Zeug hoch. Laut der 32-Sekunden Statistik von letzten Dienstag, sollen jetzt die „Investoren“ die besten Gelegenheiten haben. Wer einsteigt, treibt den Kurs nach oben. Kurz vorm erwarteten Kollaps trennen sich die schlauen Promoter von dem Zeug und machen Kasse mit realem Geld. Der Kurs knallt herunter, die „Investoren“ schauen in die Röhre und wenn sich das Zeug halbwegs stabilisiert hat, verkünden die Promoter wieder die tollsten Kursziele. Das Spiel beginnt von neuem, diesmal mit der Korrelation der Niederschlagsmenge zu Ostern in tollen Charts ;-). Das schnellere Abrasieren der Anleger machen derweil wahrscheinlich Banken. Deren Computermodelle mögen Kursschwankungen.

Sogar „Ratingagenturen“ beschäftigen sich jetzt mit Kryptos. Die bisher völlig nebensächliche Ratingagentur Weiss trötet herum, der Bitcoin sei befriedigend. Cooler PR Gag. Wohlgemerkt der Ratingagentur. Wie zuverlässig und kompetent diese allgemein sind, sei im Rückgriff auf die letzte Finanzkrise erinnert: Bis zum absoluten Crash von Lehman wegen Überschuldung, Inkompetenz und hemmungslosem Gezocke und den massiven Klatschen gegen alle Banken haben die Ratebuden wohlwollend Fleißkärtchen und Sternchen an die desolaten Geldhäuser verteilt………..

Interessante Technologie

Unabhängig von den Zockereien ist der Mechanismus hinter Kryptowährungen hoch interessant. Blockchain ist ein verteiltes Buchungsverfahren, das völlig neue Wege und Möglichkeiten im Zahlungsverkehr eröffnet. Beispielsweise erneuerbare Energien lassen sich mit so einem System exzellent abrechnen – ohne Banken. International können Umtauschgebühren entfallen (wenn man nicht erst in Kryptos kostenpflichtig umtauschen müsste). Per Speicherstick oder QR-Code, Handy und was auch immer sind Zahlungsvorgänge möglich. Sexy. Das ist schon eine zukunftsweisende Technologie. Nur ob ich den bisherigen Mitspielern mein reales Geld anvertraue, in dem ich in Bitcoin, Ripple oder Ether wechsle, steht auf einem ganz anderen Blatt ;-).

Der reale Irrsinn

Um neue Bitcoins und andere Währungseinheiten zu generieren, muss man leistungsfähige und in der Summe verdammt leistungshungrige Computer Tag und Nacht laufen lassen. Das nennt sich dann Mining. Ok, gerade die hehren Kryptopropheten sind ja oft sozial und umweltbewusst angehaucht. Denkt eigentlich keiner darüber nach, was da an sinnlosem Stromverbrauch los getreten wird? Klimawandel olè. Wenns um die eigene Kohle geht, scheinen Moral oder Verstand limitiert. Daher reagiere ich auch etwas allergisch auf diese Spammail:

Sie sind persönlich zu dem eingeladen, diese neue vermögensbildende software.
Um ihre anwendung abzuschließen müssen sie jetzt auf diesen Link klicken…>>
Akzeptieren sie meine BITCOIN persönliche einladung (verwenden sie info@xxxxx.de)
Frühere tester haben bereits €2500 durch diese software gemacht.
Es ist am besten, wenn sie in einigen minuten fortfahren, weil die plätze werden sehr schnell vergeben sein!!
Schreiben sie mir zurück wenn sie ein wenig hilfe benötigen…
Besten wünsche,
Oliver Madsan
http://bitcoinminercentral.com
BitCoin Miner Central
Berlin, Germany
Berlin 803791
Germany

Außerdem gibts da noch was. Krisenländer (oder besser deren Bewohner) versuchen, mit der Kryptokohle ihre Vermögenswerte in Sicherheit zu bringen. Fragt mal Venezuela. Was wird, wenn die alles beiseite geschafft haben, mit dem Kurs passieren? Da darf man sich an die Euro-Einführung erinnern, als viel Schwarzgeld über beispielsweise Briefmarken, Münzen, Oldtimer gewaschen wurde. Und knacks, danach kam der Einbruch. Mal gucken, was die Russen machen. Der Rubel hat ja auch Schluckauf ;-).

Dass auch dunkle Gestalten kräftig bei den Kryptos mitmischen, dürfte eh jedem klar sein.

Die bösen Skeptiker

….sind natürlich jetzt schuld, wenn die Kurse fallen. So einen Artikel wie diesen gibt es zig mal im Web. Und wir sind schuld, wenn der Hype endet. Blödsinn. Leute, die sich jetzt über fallende Kurse und Kritik aufregen, haben sich schlichtweg verzockt oder wurden abgeledert. Die Schuld für den Einbruch der Kurse sehe ich klar in den Geburtsfehlern der Kryptos sowie den Zockern. Wer sich obendrein noch Geld zum Spekulieren geliehen hat, ist an Leichtsinnigkeit kaum zu übertreffen. Wenn jemand die Schuld an den aktuellen Problemen hat, dann sind es die Promoter, welche das Zeug hochgejubelt haben, obwohl offenbar zu wenig Substanz dahinter steckte. Man möge gefälligst die Propheten steinigen, die ahnungslose Investoren entweder aus Gier oder Dummheit aufs Glatteis führten.

Meine Buchempfehlungen:

„Der Crash“ von William A. Klingaman, leider nur noch antiquarisch erhältlich, über den Crash und die Stimmung 1928/1929.
„The Quants“ von Scott Patterson, nur auf Englisch, eine super Beschreibung der Bankenkrise und Hypothekenblase.

Und zum Schluss noch ein ganz, ganz böser Gedanke:

Wer sagt eigentlich, dass die Kryptos die Handelskurse tatsächlich wert sind? Herausgeber könnten sich Hintertürchen aufhalten und heimlich an der Geldmenge herumschrauben. Herausgeber und Börsen könnten den zeitlichen Handelsverlauf ein klein wenig manipulieren. Herausgeber könnten Spielpartner bevorzugen, Herausgeber könnten Luftnummern als Sicherheit angegeben haben…… wer will das ausschließen? Abwegig? Von wegen. Mt Gox war eine große Bitcoin Börse. Offenbar wurde dort der Preis in kürzester Zeit durch betrügerische Maßnahmen hoch getrieben. Siehe den Bericht bei Techcrunch.

P.S.

Ich hatte allen Bekannten mit Bitcoins sarkastisch empfohlen, das Zeug mit Phantasiekurszielen hoch zu jubeln und dann rechtzeitig auszusteigen. Sehr viel anders werden es auch die Promoter nicht machen ;-).

Ergänzungen:

Facebook hat zwischenzeitlich alle Werbung für Kryptowährungen gesperrt. Damit fällt der Kundenkreis gieriger Deppen deutlich kleiner aus ;-).

Banken in den USA und Großbritannien unterbinden den Kauf von Kryptowährungen per Kreditkarte. Auch hier will man sich offenbar vor zockenden Deppen schützen, damit bei fallenden Kursen bloß keine Miesen bei der Bank auflaufen. Kryptos werden als Sicherheit offenbar nicht mehr seriös eingeschätzt und man kennt als Bank seine zockenden Pleitekandidaten…….

Indien, Taiwan, China, Vietnam, Südkorea haben Kryptos de facto ausgeschlossen. Mehr Staaten dürften folgen.

Seit der Veröffentlichung dieses Beitrags haben die „Investoren“ in Bitcoin (Stand jetzt, 04.02.2018) über 25 Prozent Miese gemacht. Im Vergleich zum Höchststand sogar deutlich über 50 Prozent Miese. Auch bei den anderen Kryptowährungen siehts kaum besser aus. Mehr als warnen konnte man nicht. Wer in der Frühzeit aus Spaß einem Säbelzahntiger auf den Schwanz gehüpft ist, bekam sehr schnelles „Feedback“. Wer – nach den Erfahrungen mit der Dotcom Blase und Immobilienblase – verzockt hat: Selbst schuld.

Werbemüll wird immer lästiger

Jetzt bei Bitcoins einsteigen, Engelsbotschaften (und sonstiges Zeug für Aluhutträger)….. die Spamwellen rollen wieder einmal durchs Web. Immer schön aus dem Ausland versendet. Sei es, dass Esoterik promoted wird, sei es eine Beteiligung an einem Casino, seien es diverse Callcenter, die mit Kryptowährungen nerven. Am Telefon siehts nicht besser aus als im Web. Auffällig: ein Gutteil der Callcenter scheint mit gefälschten Nummern ebenfalls aus dem Ausland anzurufen. Jedenfalls bemerkt man recht oft Deutsch, das einen „kulturellen Einschlag“ hat. Und dabei scheinen auch die Datensätze der Spammer teilweise ziemlich alt – was man eben günstig kaufen kann oder bei der Kündigung vom alten Arbeitgeber mitgehen ließ……………..

Hier das Grinsemännchen „Padre“ und sein Engelsgedöns:

Was sagen Sie dazu, wenn wir aus all Ihren Problemen, einen reinen Tisch machen?

Wie?
Es ist ganz einfach: Es genügt wenn Sie mich bitten, Ihnen die 3 Geheimen Offenbarungen Ihres Schutzengels zu übermitteln!

Der Himmel hat mir eine überraschende Gabe gegönnt. Die Gabe mit der himmlischen Ebene kommunizieren zu können. Und insbesondere die Gabe, die Botschaften der Engel zu erfassen!

Ich habe Ihren Schutzengel verstanden. Er hat 3 Wunderbare Enthüllungen für Sie und es ist Ihre gesammte Zukunft die auf den Kopf gestellt wird.

Ich übermittle Ihnen diese Offenbarungen kostenlos.
Ihr Schutzengel wacht über Sie, warten Sie nicht länger!
call to action

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Blaaaaa, Blaaaaa, Blaaaaa

Onkel Padre hatte ja schon mal mit seinen Engelsbotschaften genervt……

Und dann wären da die dauernden Zusendungen für Bitcoins und dergleichen:

Spam für Bitcoins

Alleine diese Spam-Mail trudelte drei Mal an einem Tag über verschiedene Accounts herein.

Und alleine, wenn Callcenter und Spammer wie blöde Bitcoins bewerben, würde ich jetzt nicht mehr einsteigen. Mal überlegen: Die unseriösen Werbetrupps wollen das Zeug mit aller Macht in den Markt „reinkloppen“. Spätestens ab hier wirds mir zu wackelig ;-).

Amazon als Verkaufsplattform – kritisch betrachtet

Rossmann kooperiert mit Amazon

Amazon bietet eine Riesenreichweite, das ist klar. Viele Kunden kaufen dort. Es muss schnell und bequem gehen. Oft vergleichen sie nicht einmal die Preise mit lokalen Händlern vor Ort oder Preissuchmaschinen (die oft sogar günstiger sind). Entsprechend sind so manche Onlinehändler auch mit ihren Angeboten auf Amazon als Verkaufsplattform unterwegs. Das ist verständlich. Meiner Meinung lauern dort aber so manche Fallen, die sogar gefährlich für das eigene Geschäft werden können. Weniger für Rossmann (aufgrund seiner Größe), als den normalen Onlinehändler.

Vorsicht!

Amazon kann logischerweise jede Transaktion eines Händlers mitlesen. Und niemand kann Amazon daran hindern, genau die gleichen Artikel anzubieten, wenn sie gut laufen. Sprich, sobald Amazon merkt, dass ein bestimmtes Produkt gut verkaufbar ist, können sie es selbst in ihr Sortiment aufnehmen und damit dem Händler gewaltige Konkurrenz machen. Das betrifft sowohl Markenartikel, wie auch ganze Produktfamilien. Und nicht nur ein Händler prügelt sich um Markenartikel. Da können schon einige zusammenkommen. Was u.U. den Preis übel drücken kann. Bis es weh tut.

Amazon kann jederzeit die eigenen Angebote bevorzugt gegenüber den teilnehmenden Händlern präsentieren. Sei es, dass sie auf der Webseite an einer attraktiveren Position eingeblendet werden, sei es, dass Amazon auch am eigenen Preis herumspielt. So haben schon manche Händler die Erfahrung gemacht, dass ihr Preis binnen Minuten von Amazon selbst unterlaufen wird. Und da kann es unschön werden. Amazon hat bei eigenen Angeboten die volle Gewinnspanne. Händler müssen immer noch ihre 10+ Prozent an Amazon abgeben. Eigentlich halte ich so einen Wettbewerb schon für ziemlich unfair.

Die Rücksenderegelung bei Amazon ist extrem verbraucherfreundlich. Im Umkehrschluss bekommen die Händler das volle Risiko aufgebürdet: Werden Waren während der gesetzlich zustehenden Testphase beschädigt, kann man sie nicht mehr normal weiter verkaufen. Amazon hat dafür seinen eigenen B-Ware Marktplatz. Ein normaler Händler bleibt erst einmal auf den Retouren sitzen. Er muss sie dann sortieren, ggf. aufarbeiten und eventuell auf anderen Wegen mit Verlust verkaufen. Schon eine angefledderte Verpackung kann für einen irren Wertverlust sorgen. Wenn bspw. das ehemals neue Handy in einem angedepperten Karton zurückkommt, ist ganz schnell die Marge weg. Kaum ein Kunde nimmt freiwillig solche Ware, wenn es nicht einen gehörigen Preisabschlag gibt.

Amazon kann jederzeit die Auszahlung an einen Händler zurückhalten. Das wird mit Risiken für Retouren und Reklamationen begründet. Nun, wenn ein kleiner Händler seine vorfinanzierte Ware erst 90 Tage nach der Bezahlung durch den Kunden selbst bezahlt bekommt, kann das extrem eklig für die Kapitaldecke werden.

Wofür Amazon gut ist

Wann kann man Amazon nutzen? Nun, genau wie bei ebay: Appetithäppchen, ausgewählte Sortimente, Resteverkauf oder einzigartige Produkte sind so schnell nicht kopierbar. Mit Appetithäppchen bekommt man Kundendaten. Obwohl man hier schon sehr aufpassen muss, dass man nicht gegen die Amazon Verträge oder den Datenschutz verstößt! Ausgewählte Sortimente und Restposten kann man relativ schnell in den Markt drücken, wenn man sie los werden will. Alles, was Amazon nicht kopieren kann oder darf (Exklusivverträge von Lieferanten mit geschützten Designs, etc.. bis hin zu selbst hergestellten Waren) ist relativ sicher. Aber auch hier bekommt Amazon jedes Mal die Kundendaten mit. Was sollte sie abhalten, funktionierende Sortimente nachzuahmen?

Alternativen zu Amazon FBA

Ein Ausweg von Amazons Versandservice FBA kann sein, die Auslieferung seiner Produkte an einen Dienstleister zu verlagern, der selbst keinen Verkauf betreibt. Sprich, der nicht in Konkurrenz zum eigenen Geschäft tritt und die Kundendaten nur treuhänderisch für den Versand nutzt. Da fiele mir beispielsweise Portica ein, langjährig erfahrener Dienstleister für Dropshipping (nannte man damals noch Streckengeschäft), Kommissionierung und natürlich seit einiger Zeit auch tätig für E-Commerce und Shops. Das ganze nennt man dann Fulfillment. Nebenbei überträgt man damit auch die lästige Verpackung, Sicherung des Lagers, Sendungsverfolgung und notfalls sogar Zollformalitäten an einen Spezialisten. Meines Wissens können sie dort auch Daten gängiger Shopsysteme übernehmen und gleich in Adressaufkleber und Freimachung (Porto) umwandeln. Es geht also auch externer Versand ohne Amazon und seine Risiken bei gleicher Zuverlässigkeit.

Steuertricks

Kommen wir noch zu einem sehr unschönen Thema. Steuern. Wie auch bei Apple, PayPal, Ikea, Starbucks, ebay, Subway und weiteren großen Firmen, bleibt vom Amazon Gewinn in Deutschland recht wenig an Steuern hängen. Prozentual weniger als der brave Einzelhändler um die Ecke oder der kleine Versender zahlt. Eigentlich macht man sich so seine Konkurrenz selbst groß. Erstens gibt der Amazon Händler eine schöne Provision an den Verkaufsplatz, dann liefert er auch noch brav alle Kundendaten sowie Kundeninteressen, macht sich obendrein vom Wohl und Wehe des Zahlungsverkehrs abhängig. Und zuletzt kommt der Versandriese mit deutlich weniger Steuern davon als der Händler selbst. In Summe nicht sehr schlau.

Wie kann man sich als Händler unabhängiger machen?

Auf jeden Fall mehrere Plattformen nutzen! Schon zur Blütezeit von ebay hat es diverse Händler erwischt, die nur auf ebay unterwegs waren. Ein leichter Schluckauf im System konnte das Ende des Geschäfts bedeuten. Seit langem kann ich nur jedem Onlineshop raten, sein Marketing und seine Vertriebswege sowie das Risiko zu streuen. Amazon ist nicht der einzige Absatzkanal und sollte es mE auch nie sein! Da gibts noch das oben erwähnte ebay – allerdings oft mit eher niedrigen Preisen. Über gute Preissuchmaschinen sind Kunden erreichbar. Wer sich mit Adwords, Bing oder Facebook Ads auskennt, kann Produkte hierüber bewerben. Soziale Netze können Zubringer für Kunden sein. Die Suchmaschinenoptimierung ist eine weitere Möglichkeit. Oder wie ist es mit der Aktivität in Foren? Alles machbar.

Kann man ohne Amazon auskommen? Ja. Fangen wir an bei der Bewerbung von Produkten. Amazon hat ein Riesensortiment und kann gar nicht alles gleich gut bewerben. Da gibts genug Lücken für Versender mit gutem Online Marketing. Sei es über Adwords, SEO, Preissuchmaschinen, Social Media. Es gibt Alternativen für reine Versanddienstleistungen, siehe oben Portica. Und nicht zuletzt entstehen lokale Verbünde………

Priorität sollte immer der eigene Shop haben!

Heutzutage bekommt man recht günstig schon brauchbare Shoplösungen bei gängigen Providerangeboten. Wer mehr Leistung will, lässt sich bspw. ein Shopware oder Oxid auf einem managed Server einrichten. In jedem Fall hat man dann die volle Kontrolle über die eigenen Daten und kann seine Produkte beliebig bewerben. Da kann Amazon durchaus nur noch als Präsentationsfläche für Appetithäppchen eingesetzt werden, damit man an Kundendaten herankommt………… und ansonsten fährt man eine schön diversifierte Marketingstrategie.