Xing – nachlassende Attraktivität?

In einer Xing Gruppe kam die Frage nach der Attraktivität des Netzwerks auf. Ein paar Gedanken hierzu:

Passive Akquisition durch Xing funktioniert gar nicht für ein unheimlich breites Spektrum. Die These, dass jemand in Xing nach Dienstleistern oder Lieferanten sucht, ist m.E. zum allergrößten Teil hinfällig. Aktive Akquisition, sprich Anmailen oder Anrufen, naja. Ist halt letztendlich das Standardprozedere, was auch mit Adressanmietung, Telefonbuch, etc. läuft. Interaktion in Gruppen: Der übliche Werbespam funktioniert nicht. Man kann nett, hilfsbereit oder satirisch oder böse sein, auch hier ist die Quote eher schlecht. Zumal diverse Leute überhaupt nicht mehr reingucken, nachweislich und wohlweislich.

Man kann sich ja mal auf den eigenen Webservern ansehen, wie viele Besucher von Xing auf die eigene Homepage kommen. Ich schaue regelmäßig in die Zugriffsstatistiken bei meinen Kunden. Da gibt es so gut wie nichts, was von Xing reinkommt. Auch bei Firmen, welche viele und extrem gut gepflegte Profile auf Xing haben. Exemplarisch bei einem B2B Kunden:

Das ist…. gar nix. Von den 0,08 Prozent ist die Hälfte sogar noch bekannt. Also für Neukundengewinnung nicht wirklich interessant. Selbst Ecosia, DuckDuckGo, Yahoo oder die Suche von t-online funktioniert hier besser.

Bitte noch etwas beachten: Die Bedienung des Systems ist mit immer mehr Klicks verbunden. Gleichzeitig werden enorme Mitgliedszahlen vermeldet. Das müsste sich theoretisch, wenn denn alles so prima wäre, in enormen Steigerungen bei Seitenaufrufen und Besuchen niederschlagen. Sieht man nix von.

Und nun überschlagsmäßig: Ein Moderator hatte einen Thread mit jetzt 1334 Aufrufen vor über 3 Tagen gestartet. Xing zählt doppelte Threadaufrufe, wer den Thread 2x aufmacht, wird eben auch 2x in der Statistik vermeldet. Die Anzahl der Unique User ist also geringer. Zurzeit müsste wegen Corona auf allen Webplattformen mächtig was los sein (zumindest ist das so auf allen Kundenseiten, wo ich die Statistiken sehe). Die Gruppe hat 44.000+ Mitglieder. Wenn davon vielleicht 1.200 bis 1.250 echte, unterschiedliche Nutzer den Thread aufgerufen haben, sind das wirklich keine tollen Zahlen. Und ein Moderator zählt Pi mal Daumen mindestens doppelt gegenüber einem Normalnutzer in der Resonanz.

Bitte einfach mal die genannten Daten durch den Kopf gehen lassen. Und dann mal gucken. Der banale, flache Nachbarthread zu E-Shops hatte in zwei Tagen 72 Aufrufe, das [Gratis Live „Hurra, Hurra“ Webinar] kommt auf 507 Aufrufe in 8 Tagen, usw., usw., usw.. Quer durch die Themen, tote Hose.

Ein gutes Angebot zur Adwords Hilfe kommt auf irgendwas um 1.100 Aufrufe, auch mit Moderatorenbonus. Bei 44.000 Nutzern? Wo sollen da merklich aktive Leute sein? Wo sollen viele Leser sein? Wo soll da wer in Xing merklich nach Dienstleistern und Lieferanten recherchieren?

In der schon fast grotesken Xing Gruppe Verraten und Verkauft (Vertrieb und Verkauf) überbieten sich die Postings an Flachheit und Verzweiflung. Resonanz? Nein. Und das sind „Ambassador“ Gruppen, vermeintliche Flaggschiffe.

Corona sarkastisch

Aus der Sicht des Online Marketing wird Twitter abrutschen. Es ist zum Tummelplatz der streitenden Idioten geworden. Streitende Idioten sorgen in jedem sozialen Netz für abnehmende Attraktivität. Offenbar haben das nicht alle begriffen. Zeitungen, Verlage, Journalisten setzen nach wie vor auf das Medium. Da lauert sehr schnell die Gefahr einer verselbständigten Infoblase und verzerrter Wahrnehmung der tatsächlichen Stimmung. Andererseits sieht man schon erste Zeichen der Hilflosigkeit. Clickbaiting mit reißerischen oder kontroversen Überschriften nimmt zu. Erotikberichte von der „Welt“ bis zu pseudeogesellschaftlichen Aufhängern der „FAZ“ werden aber schon lange nicht mehr wirklich lebhaft dikutiert. Naja.

Derweil, was denn nun. Der hochgelobte Experte A sagt dies. Der hochgelobte Experte B sagt das – genaues Gegenteil. Ich halte die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass so mancher „Experte“ totalen Mist erzählt. Alle können nicht gleichzeitig recht haben, wenn sie vollkommen konträr reden. Die Medien spielen derweil eine blamable Rolle. Jedes Statement bis hinab zum Furz eines Straßenköters wird sofort in eine Schlagzeile verwandelt. Applaus, Applaus, Applaus! Wie damals Kermit, der übernervöse Frosch aus der Muppets Show. Und was für Politiker da Laut geben, Himmel hilf.

Natürlich hat China beschissen. Wie üblich. Ein einfacher Dreisatz hätte gereicht, um die chinesischen Corona Daten als geschönt zu erkennen. Aber offensichtlich waren dazu weder die WHO, noch das RKI, noch ganze Herden von Politikern willens oder in der Lage. Auch beim folgenden Abzocken durch China glänzte und glänzt der gesunde Menschenverstand offenbar durch Abwesenheit. Noch immer werden munter einem Wirtschaftsgegenger Geschenke gemacht, Dankbarkeit für gekauftes Zeug (gekauft!!!) inszeniert und die Journaille überbietet sich mit positiven Schilderungen von ach so edlem Verhalten unserer lieben kommunistischen Diktatur – die uns den ganzen Mist eingebrockt hat und jetzt abledern wollen. Wie blöd können die sein?

Kaum zu überbieten sind derweil die Schwätzer, Aufreger und Paniker. Was zurzeit an komplettem Blödsinn durchs Web zuckt, geht wirklich auf keine Kuhhaut mehr. Ob die Autoren nur denkbehindert oder manipulierend sind – egal. Selten wurde das Netz mit dermaßen Mengen an idiotischen Informationen zugemüllt. In jedem Dorf hocken mindestens 20 Experten für Alles, oft dumme Journalisten überbieten sich an Planlosigkeit, emotionale Trigger heucheln Betroffenheit aber sollen Reichweite bringen. Und obendrauf schüttet noch Papst Habeck pseudophilosophischen Salvader. Die aufgeschreckten Hühnerhaufen gackern quer durch Twitter, Facebook, was auch immer. Derweil entwickeln sich Diskussionen über Diskussionen. Man schwätzt darüber, wie anderswo geschwätzt wird. Gruselig. Darwin hatte offenbar nicht immer Recht. Ich sehe keinerlei Grund, als Reaktion auf offensichtlichen Irrsinn bei privaten / pseudogeschäftlichen Postings noch etwas zu schreiben. Zwecklos, ideologisch abgefahren oder zu blöd für die Welt, ist nicht mein Problem. Soll sich die Polit- und Medienshow drum kümmern. Oder der nächste Psychiater.

Dann hätten wir noch Donald, „The Great Trumpel“. Die orangehaarige Parodie eines amerikanischen Präsidenten hat es versägt – mit Ansage. Jetzt kommt erwartungsgemäß die abstruse Erklärungs-, Verschwörungs-, Ausweichtour. Natürlich hat Donald alles richtig, bestens, clever, supertoll und geil gemacht. Er persönlich hat einen seiner geliebten „Deals“ mit dem Virus ausgehandelt, heldenhaft. Das Virus ist ein toller Kerl, alles bestens jetzt, ab morgen sterben die Leute nicht mehr an Corona sondern vom Himmel herabfallenden Rosenbüschen. Fox News wird es verkünden.

Und da wären noch die großen Unternehmensberatungen. Dort merkt man gerade, dass es einen Riesenunterschied zwischen Reden und Machen gibt. Reden reicht nicht mehr, die Wirtschaft braucht Könner. Zurzeit gibts jede Menge Studien, welche die Unternehmensberatungen ins Netz stellen. Normalerweise funktionieren solche „Studien“ als Werbeflyer, mit dem man Kundeninteressen triggert. Nur ist das Kundeninteresse derzeit wohl recht flau.

Natürlich habe ich ganz normal, effizient für Kunden weitergearbeitet und auch mal ein paar nette Sachen fürs Allgemeinwohl getan. Das medizinische Personal, die Verkäufer, alle im Bereich Logistik, Polizei, Energieversorger, Bundeswehr, Handwerker haben Deutschland am Laufen gehalten. Genau das erwarte ich auch von potentiellen Gesprächs- und Geschäftspartnern. Bei mir sind Krisenprofiteure und Charakterflexible auf der schwarzen Liste gelandet. Verschwörungsfans oder politische Extrempositionen sowie Laberer und Showtypen sind aus den Kontakten geflogen (Wobei ich derartige Gestalten eh schon gemieden habe).

Es wird so oder so eine Marktbereinigung geben, die gerade im Marketing überfällig war. Berater, Coaches und Speaker braucht keiner wirklich. Was zählt, war und ist Denken, Anpacken und Können. Jetzt gilt es, schnellst möglich und gleichzeitig sicher die Wirtschaft wieder aufzubauen. Dafür braucht es jegliche Berufsgruppen, auch viele Menschen, die in Kurzarbeit oder noch schlimmer mit Arbeitsplatzverlust gerade enorme Probleme haben. Diesen gilt mein Augenmerk, nicht den Schreihälsen.

Soziale Netze kombiniert mit Kampagnensteuerung

Soziale Netze haben erhebliche Resonanz im Web. Auf Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest und anderen Systemen posten Menschen eine Menge Inhalte, die sie emotional beschäftigen. Entsprechend sind die Socials im Online Marketing ein sehr wichtiger Faktor. Weil die Benutzer freiwillig ihre Themen und Vorlieben beschreiben, eignet sich das ideal für Marktforschung. Aus den Posts lassen sich eine Menge Informationen gewinnen. Welche Themen und welche Hashtags sind angesagt? Wo halten sich die Benutzer auf?

Bessere Kampagnensteuerung

Schon hat man einen sehr schönen Ansatz, um Online Marketing sehr gezielt auszusteuern. In den Socials selbst ermöglicht Marktforschung eine genauere Zielgruppenansprache. Influencer werden gefunden und können auch nach ihrer Qualität bewertet werden. Das ist besonders wichtig, um echte Influencer ausfindig zu machen und künstlich aufgeblähte Accounts auszuschließen. Aber die Einsatzmöglichkeiten gehen noch deutlich weiter. Wir haben eine neue Webseite gestartet, welche die Einsatzmöglichkeiten beschreibt: Hyper Local.

Lokales Marketing

Lokale Daten sind ein idealer Ansatzpunkt für Werbeschaltungen in Adwords, Bing Ads, Werbung in Facebook, Instagram oder Youtube. Das Publikum kann nach vorhergehender Zielgruppenanalyse extrem genau adressiert werden. Adwords lässt sich regional bis auf einen Kilometer Umkreis schalten. Nimmt man die Daten aus der Marktforschung sind beispielsweise möglich: Unterschiedliche Anzeigen, unterschiedliche Klickgebote nach Regionen und Städten. Für Events wie Festivals oder Messen erfolgen passende Online Schaltungen. Hashtags können als Keywords genutzt werden. Und eine ganze Menge mehr.

Beispiel

Praktisch kann das beispielsweise für einen Reiseveranstalter bedeuten: Die Anzeigen für den Urlaub in Mallorca passen besser zum Interessensprofil von Regionen. Die besten Restaurants in Palma kommen auf die Landingpage. Für die angesagtesten Clubs und Diskotheken gibt es extra Anzeigengruppen. Ausflugsziele verbessern Long Tail SEO. Sowohl in den verschiedenen Buchungsregionen, wie auch in der Zielregion findet man vom Restaurant über Sehenswürdigkeiten, Interessen und Vorlieben bis zur vorgeschlagenen Hotelkategorie eine ganze Menge an Ansatzpunkten für besseres Marketing.

Integrale Verbesserung

Ideal ist natürlich, wenn sich die veschiedenen Kanäle der Onlinewerbung gegenseitig ergänzen und pushen. Hashtags und Keywords sind ein gemeinsamer Nenner zwischen Socials und Suchmaschinenmarketing. Das lässt sich gegenseitig übernehmen. Zeitliche und lokale Informationen bieten genauere Ansteuerungen. Was an Trend in den Socials erkennbar ist, beeinflusst dann die Werbeschaltung auf Google. Umgekehrt liefern die Suchanfragen natürlich auch interessante Informationen für Benutzerinteressen in den Socials. Und selbst zwischen den Socials profitiert ein Informationsaustausch. Pinterest und Instagram sind beides bildbasierte Systeme. Sie funktionieren aber unterschiedlich und werden von unterschiedlichen Personentypen genutzt. Wenn man hier Informationen sammelt und diese geschickt aufbereitet, lassen sich in beiden Kanälen Optimierungen erreichen.

Das reicht bis hin zum Emailmarketing. Was angesagt ist, taugt als Aufmacher in der Betreffzeile. Maßgeschneiderte Angebote mit zusätzlichen Daten aus dem CRM oder externen Quellen (Wetterberichte, Einkommensstrukturen, kulturelle Prägungen) sind nochmals eine Verfeinerung.

Das System

Entwickelt wurde das Marktforschungssystem von Johannes Wobus, hier gehts zu seiner Webseite Pontimania. Im Verlauf von 4 Jahren entstand eine intelligente Datengewinnung. Aktuell (5/2019) sind legal über 210 Mio Postings analysierbar und es werden jede Woche Millionen mehr. Auch kann das System gezielt wie ein Trüffelschwein nach interessanten Themen und beispielsweise verwendeten Hashtags, Sprachen, Herkunftsländern suchen… …und diese lokal zuordnen! Das gibts wirklich nicht oft, weltweit.

Das Team

Zusammen mit Dr. Klaus Holthausen (Unser Analytiker), Petra Lukaschewski, Anne Lehmann, Grafikern, Programmierern und meiner Wenigkeit als Online Marketer haben wir jetzt eine komplette Abdeckung von der Marktforschung bis zur Kampagnenverbesserung.

Facebook -bitte nicht für sensible Kommunikation nutzen

Immer wieder erlebt man, dass sensible Daten über soziale Netze ausgetauscht werden. Meines Erachtens gehören solche Inhalte niemals auf Netze, die man nicht vollständig selbst unter Kontrolle hat. Sei es ein Passwort, sei es ein Geschäftsvorfall, seien es wichtige persönliche Daten. Es ist nötig, zu wissen, wie weit man dort gehen kann und wo definitiv Schluss mit lustig ist.

Facebook, eine Datenschleuder?

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Facebook bis hin zu den persönlichen Nachrichten alles mitliest. Siehe den Bericht in Bloomberg. Was sollte einen umsatzgetriebenen, datengierigen Konzern mit einer meines Erachtens dubiosen Historie beim Datenschutz (Panne 1, Panne 2, bis zum Jahr 2013 Panne 3, ganz zu schweigen vom Skandal um Cambridge Analytica) davon abhalten, hier munter einzusacken? Da ist schnell eine Typisierung der Nutzer möglich, mit der man eine ganze Menge mehr Nutzungszeit, Werbeeinnahmen und Abhängigkeit der Benutzer herausschlagen kann? Oder mal eben die heißesten Neuentwicklungen mitlesen? Wir reden hier über Facebook und Zuckerberg – nicht über ein Jahrzehnte etabliertes Unternehmen mit lange erarbeiteter Reputation.

Wie reagiert Zuckerberg?

Mir persönlich ist Zuckerberg mehrfach aufgefallen. Gerät er unter Druck, waren in der Anfangszeit seine Reaktionen m.E. noch sehr nervös. Für mich wie ein kleines Kind, das man mit den Fingern in der Keksdose erwischt hatte. Bis hin zu den Befragungen vor dem US Kongress und der EU, wo er jedes Mal den Geläuterten gab, offenbar selbstsicherer oder mindestens besser trainiert. Und dann kommt heraus, dass eine fette Facebook Panne genau zum Zeitpunkt der EU Befragung bekannt war. Hat er mit keiner Silbe erwähnt. Ich traue dem Mann keinen Millimeter, ebensowenig wie seinem Unternehmen.

Auch andere Netze sollten mit Vorsicht bedient werden. Ohne echte End-to-End Verschlüsselung unter ausschließlicher Kontrolle der Benutzer, kann jeder Internetkonzern sehr einfach mitlesen. Im Schadenfall können Hackern sensible Informationen in die Hände fallen. Im besten Fall gehts dabei nur um ein paar unwichtige Daten, beliebige Diskussionen, belanglose Fotos. Aber solchen Netzen vertraut man doch nicht ernsthaft wichtige Geschäftsinformationen, kritische oder persönliche Ereignisse mit hoher Tragweite an? Vor allem nicht, wenn sie schon mehrfach dumm und mit Datenlecks aufgefallen sind.

Besser

Wenn man wichtige Daten verschickt, dann über möglichst sichere Wege. Beispielsweise versende ich gerne Zugangsdaten getrennt vom Passwort mit einer Email bei kritischen Vorgängen. Das Passwort kommt dann via SMS hinterher. Aktuelle Beispiele meiner Arbeit für Kunden wird man niemals in Diskussionsforen oder Mails auf jedweden sozialen Netzen sehen. Natürlich gebe ich anonymisierte Informationen heraus, wenn sie uninteressant geworden sind, weil sich beispielsweise Algorithmen geändert haben. Oder es geht um allgemeine Themen, beispielsweise Systemumgestellungen, Updates, DSGVO und dergleichen. Die aktuell wichtigen Erkenntnisse und Kniffe werden auf besser geschützten Kanälen sowieso nur mit Kollegen diskutiert, die ihrerseits interessante Erkenntnisse oder Verfahren einbringen. Der Rest bleibt außen vor und kann sich den Stand der Technik brav selbst erarbeiten. Das klingt jetzt böser als es ist. Aber warum sollte ich unnötigerweise Konkurrenten meiner Kunden oder die eigene Konkurrenz schlauer machen? Das würde meinen Auftraggebern ihren Erfolg erschweren und mir Arbeit machen.

Ein Beispiel: Früher sah man in Yahoo Search Marketing direkt die Gebote der Mitbewerber. Bei einem bestimmten Suchbegriff lag der mutigste Konkurrent bei 1,55 EUR, das nächste Gebot bei 50 Cent. Damals vertrat ich eine Firmengruppe mit 3 Unternehmen. Also munter 1,54 EUR, 51 Cent und 52 Cent geboten. Die 1,54 EUR zwangen den mutigen Konkurrenten zum Höchstpreis von 1,55 EUR, während man selbst mit 53, 52 und 51 Cent dabei war. Das verschwieg ich noch lange, nachdem Yahoo die Funktionen geändert hatte. Ähnlich ging übrigens später Unister bei Adwords vor, nur hatten die es nicht im Griff (Adwords gibt keine Konkurrenzgebote an und das künstliche Spreizen wurde verboten) ;-). Einige vertrauenswürdige Kollegen wussten das per Telefon und lachten sich scheckig. Auf Xing schilderte ich den Mechanismus erst, als dieser nicht mehr möglich war. Das gab genug Aha Effekt, während zuvor unbehelligt optimierte Kampagnen der Kunden liefen und sich die Konkurrenz obendrauf dumm und dusselig zahlte.

Verschwiegenheit

Auch geht niemand etwas an, was aktuelle Zwischenstände betrifft. Hier wird man früh genug merken, wenn etwas Neues da ist. In so fern kann ich gerade einige Unternehmen wirklich nicht nachvollziehen, die ausgerechnet Facebook als Kollaborationsplattform nutzen. Entsprechend werde ich natürlich einen Teufel tun und nicht das neue Facebook Angebot Workplace verwenden. Mit dieser Pannenserie im Kopf und der Datengier, haben die Daten meiner Kunden dort nichts verloren. Für Gruppenarbeit gibts sicherere Lösungen. Auf meinem beruflich genutzten Smartphone habe ich keinen Facebook Messenger (was bitte geht Facebook an, mit wem ich telefoniere oder welche SMS ich versende?), kein Whatsapp. Jede App fliegt raus, wenn sie beim Update mehr als nötige Befugnisse haben möchte. Huawei Handy? Ich bitte Sie. Da gibts doch ein Gesetz in China, das chinesische Unternehmen zur Informationsbeschaffung verpflichten kann. Neee, neee, nicht mit mir.

Sicher is, dass nix sicher is (Karl Valentin)

Natürlich schützt so etwas nicht vor einem massiven Hackerangriff. Gerade China, Nordkorea und Russland, Erpresserbanden sowie kriminelle Hacker können fast alles knacken. Auch reicht ein Virenscanner oder eine Firewall selbstredend nicht gegen Ausspähung durch die NSA, GCHQ und dergleichen. Weder kommen mir ein Alexa, noch Facebookdienste, Whatsapp noch andere Dienste in Reichweite oder auf Rechner, mit denen ich freiwillig mehr als nötig zugängig mache. Das ist jetzt keine Totalverweigerung. Ja, klar, Facebook wird privat und beruflich genutzt. Auch wird Werbung für Kunden durchgeführt. Logisch, dort sind Märkte. Man sollte aber gerade als Profi wissen, wo Spaß aufhört und Geschäft anfängt.

Auch eine Überlegung

Bevor man irgendwas umsonst an Inhalten auf sozialen Netzen eintippt, lohnt sich eine andere Betrachtung. Auf dem eigenen Webserver wirken Inhalte lange nach. Und sei es nur, um die langjährige Praxiserfahrung in beruflichen Themen zu demonstrieren. In der Timeline sozialer Netze läuft eine Diskussion wie auf einem Fernschreiberticker. Wenns durch ist, kann es nicht mehr für die eigenen Aktivitäten oder für einen Kunden nachwirken. Zudem kann jeder Nutzer, gerade Moderatoren und Threaderöffner, nach Lust und Laune löschen. Entsprechend limitiert ist sowieso meine Bereitschaft, dort massenweise Inhalte einzutippen. Für Gesprächsanfänge, neue Kontakte und lockere Diskussionen, Kundenzuführung, Spaß, sind diese Plattformen ok. Aber mehr nicht. Ob man da was mit beschränkter geschäftlicher und privater Nutzung verpasst? Kann sein. Aber wenns wirklich wichtig ist, melden sich Freunde und Kunden eh am Telefon. Dafür bleibt mehr Zeit zum gezielten Suchen oder für ein Bierchen draußen mit Kollegen, wobei man die heißesten Trends austauscht.

Der Fall Relotius, Entschuldigung, des Spiegel

Na, sowas. Der Spiegel, oft euphemisch als das „Sturmgeschütz der Demokratie“ hochstilisiert, ist mit erfundenen Geschichten des Reporters Claas Relotius krachend auf die Nase gefallen. Luftnummern waren es und Stimmungsmache statt Fakten. Meiner Meinung ist dies ein typischer Auswuchs des Zielgruppenjournalismus. Einige Gedanken hierzu, persönliche Ansicht:

Zielgruppe?

Jedes Blatt hat seine Kernleserschaft. Diese wird gerne in ihrer Meinung unterstützt und so emotional gehätschelt. Wo der Bayernkurier brav den CSU-Bajuwaren kuschelt, Bild die Berufsempörten der Mittel- und Unterschicht füttert, ist der Spiegel für mich das Blättchen des Sofarevolutionärs. Man gibt sich intellektuell mit linkem Touch und serviert soziale Verantwortung sowie ein nettes Gesellschaftsbild. Ab und an prescht Augstein Junior vor und präsentiert seine Anekdoten als Stichwortgeber in einer Kolummne.

Mal auf den Boden zurück.

Journalismus ist für mich längst nicht mehr so edel und wichtig, wie er sich selbst präsentiert. Anstelle knallharter Recherche und Analyse, aufgrund derer sich ein Leser eine eigene Meinung bilden kann, wird ziemlich oft die Grenze zur Beeinflussung oder Kommerzialisierung überschritten. Ich rede hier bewusst nicht von „Lügenpresse“ wie die AfD. Vielmehr tun diverse Titel einfach was fürs typische Weltbild der Leserschaft. Heute, im Netzzeitalter, wird so etwas als Informationsblase bezeichnet. Provokante Frage: wer das Weltbild seiner Leserschaft füttert, wo ist das besser als Infoblasen, etwa bei Facebook? Der tiefe Fall des Spiegel wirkt um so drastischer, weil man eben den Edlen, Wahren, Guten vorgab.

Auch ökonomische Einflüsse.

Es ist doch auch längst bekannt, was viele Zeitschriften und Magazine als Stunts für Werbeschaltungen bringen. Soll zum Thema XY ein „Special“ erscheinen, sausen die Anzeigenverkäufer los. Das passiert genau so bei Tageszeitungen, wie auch Fachmagazinen. Einfach mal gucken, was bspw. in den Wochenendausgaben berichtet wird und wo rein zufällig passende Anzeigen geschaltet sind. Glaubt da wirklich noch wer an journalistische Unabhängigkeit? Dürfte meiner Meinung eher seltener der Fall sein.

Medien sind eben Geschäft.

Eine Fotostrecke bläst die Klickzahlen auf und der Verleger kann mehr Werbung verkaufen. Geschreibsel von Edelfedern verkauft sich besser bei der Zielgruppe. Werbung kann durchaus Inhalte beeinflussen. Und dann jammert die Branche, dass sie nicht mehr die Informationshoheit hat. Das Internet macht zig Sachen vergleichbar und die Kosten hierfür liegen verflixt niedrig. Die gleiche dpa Meldung findet sich auf zig Portalen. Hier kann man nur noch mit Qualität und einzigartigen Inhalten, Recherche und Knallerthemen bestehen. Das haben noch nicht alle begriffen. Ist diese Entwicklung neu? Nein, ich habe schon mal was Kritisches zu Journalismus geschrieben.

Ich finde das Geheul des Spiegels jetzt ziemlich unpassend. Sie hätten wissen müssen, auf was sie sich einlassen.

Und ja, mein kleines Wortspiel Retorius statt Relotius (siehe URL) war beabsichtigt. Habs aber jetzt aus dem Text herausgenommen und brav Relotius reingesetzt.

Nicht wieder ohne einen Hintergedanken. Bevor Relotius beim Spiegel zum Star wurde, kann man sich fragen, was der vorher gemacht hat. Wo der her kam, ob er da nicht eventuell auch munter fabulierte? Es heißt, er wäre früher bei der taz gewesen. Da bin ich mal provokant, meine Meinung: Wer schon freiwillig bei der taz oder Jungen Freiheit arbeitet…, käme mir eh nicht ins Haus.