Die Zugriffszahlen auf die Server gehen hoch

Wirtschaftskrise hin oder her, zurzeit brummen die Server. Wie auch in den letzten Jahren steigt die Anzahl der Zugriffe in der Zeit vor Weihnachten an. Das Online-Geschäft ist also für bestimmte Bereiche weniger konjunkturabhängig als die „normale“ Wirtschaft.

Dabei gab es schon das ganze Jahr über eine deutliche Steigerung, die sich jetzt eben nochmals beschleunigt. Nach wie vor sind online um die 25% Prozent Wachstum pro Jahr machbar – wenn die Preise stimmen und die Angebote gefunden werden – Grüße vom Online Marketing.

Damit gerät der stationäre Einzelhandel weiter unter Druck. Allerdings haben auch kleinere Händler einige sehr schlagkräftige Shops aufgebaut, die sich munter an den Marktanteilen der Großen bedienen. Nur online kann man eben mit Größen bspw. a la Saturn oder MediaMarkt erfolgreich in Konkurrenz treten, die ansonsten über sehr viel mehr Einkaufs- und Marktmacht verfügen.

Man darf gespannt sein, wie sich die Märkte entwickeln.

Der Ausverkauf einer ganzen Marke – Insolvenz, Konkurs von Ultimate

Ultimate ist ein Händler und Hersteller von Angelgeräten. Es gibt eine breite Auswahl von der Angel selbst bis zum Zelt oder etwa Sweatshirts. Mithin die ganze Breite dessen, was ein Angler benötigt. Ultimate hat ein Problem – Insolvenz, Konkurs und was auch immer in Holland gerade passiert. Entsprechend heiß ist jetzt der Markt für die Händler.

Die hocken auf ihren Lagerbeständen und hatten eigentlich vor, die Ware ganz normal zu verkaufen. Eine Zeit lang haben alle stillgehalten und es waren bsp. in ebay noch keine größeren Abverkäufe zu verzeichnen. Genau das ändert sich gerade massiv. Viele Händler wollen die Ware so schnell wie möglich loswerden und stellen sie bei Aktionen ein, die ab einem Euro starten.

Es ist ein Wettrennen, wer sein Zeug am ersten los ist und konsequent auf einen anderen Lieferanten umschwenken kann. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ein durchaus beachtlicher Teil des Sortiments hatte eine durchaus beachtliche Qualität. Nur wird das Zeitfenster enger, in dem man noch einen brauchbaren Preis erzielen kann und nicht auf unverkäuflicher Ware sitzenbleibt.

Es ist nicht schön aber zumindest spannend, wann die letzten Dämme brechen und jeder sein Heil in der Flucht, also dem schnellen Abverkauf, sucht. Einer zuckt als erster und dann gibt es kein Halten mehr. Ob das langfristig Sinn macht, steht auf einem anderen Blatt – die Ware verstopft den Markt für die Neuerscheinungen 2010 der anderen Hersteller. Und ganz klar ist der Ausverkauf auch ein mächtiger Schlag für bislang von Ultimate vertretene Marken. Im Strudel der Insolvenz werden die Preise von Salmo oder Rozemeijer mit nach unten gerissen.

Wenn Sie möchten, beobachten Sie es live im Internet.

Geocities – jede Menge Content weg

Einer der ältesten Dienste im Web wird geschlossen. Yahoo wird die Inhalte von Geocities vom Netz nehmen. Damit geht eine Ära zu Ende, welche bis in die Frühzeiten des Web zurückreicht. Immerhin gab es den Dienst schon ab Mitte der Neunziger und somit eine halbe Ewigkeit in der Geschichte des Internet.

Schade eigentlich, denn mit Geocities haben sehr viele Menschen ihre ersten Gehversuche für eigene Homepages durchgeführt. Was verschwinden wird, ist nicht genau abzuschätzen, da sehr viel der Inhalte auf anderen Servern archiviert werden soll.

Interessant ist jedenfalls, was sich bei SEO tun wird. Immerhin lagern auf Geocities teilweise uralte Inhalte, die einige Gewichtung bei Google haben dürften. In letzter Zeit war es allerdings sehr ruhig geworden, die Einnahmesituation war wohl nicht mehr so doll. *gemeine Bemerkung* Toll, dass die Fans des Web 2.0 von ganz neuen Geschäftsmodellen redeten, die es schon Jahre gab, oder?

Man wird sehen, was sich bei den Suchergebnissen ändert – wenn sich überhaupt entscheidendes ändert……..

Quelle vor dem Aus – was bleibt, sind Kundendaten

So, wie es bis jetzt aussieht, kommt bald das Ende für das Versandhaus Quelle. Bislang hat sich kein Käufer gefunden und der Insolvenzverwalter Dr. Klaus Hubert Görg hatte schon am 19. Oktober in einer Pressemitteilung erklärt, dass der größte Knackpunkt nicht gelöst werden konnte – eine Anbindung der Bezahlabwicklung durch die Banken. Das klingt zunächst nach einem technischen Internetproblem, hat jedoch andere Auswirkungen.

Beim sogenannten Factoring tritt ein Unternehmen seine Forderungen direkt an eine Bank ab. Im Klartext kümmert sich dann die Bank praktisch um den gesamten Zahlungsverkehr. Und zwar bei solch wackeligen Sachen wie Ratenzahlung oder Kauf auf Rechnung, ohne die Quelle mit nicht immer nur sehr solventer Kundschaft keine Geschäfte machen kann. Das Risiko war den Banken wohl zu hoch und mit solch einem Klotz von potentiellen Ausfällen am Bein möchte sich offenbar auch kein Käufer abgeben.

Kommen wir aber mal auf die Gründe für das Aus zurück. Da darf man sich fragen, warum andere Versandhäuser selbst in der Krise noch gut da stehen und beispielsweise reine Internetplattformen wie amazon ebenfalls gute Geschäfte machen. Das riecht doch meines Erachtens nach einem totalen Versagen der Führung.  Zum kritischen Zeitpunkt war da doch ein gewisser Middelhoff unterwegs, der schon vorher bei Bertelsmann zumindest nach meinem Eindruck eine blamable Rolle gespielt hatte…….

Was ist denn da sonst noch schief gelaufen, wieso hats im Web nicht geklappt?

Wie ich schon einmal berichtet habe, hat das Marketing bei Quelle den Boom des Webs verpasst. Man brüstete sich mit einem der besucherstärksten Angebote. Das stimmt. Das ist aber auch kein Kunststück, wenn man tonnenweise Papierkataloge durch die Republik schleudert, auf denen die Webadresse steht. In Sachen natürlicher Neukundengewinnung wurde nur auf bestimmte Instrumentarien gesetzt und ich kenne das Gebotsverhalten, SEO und andere Kanäle in Konkurrenz zu meinen Onlineshops. Das war aus meiner Sicht suboptimal und nicht so gut wie bei anderen, die schon etwas mehr meiner Aufmerksamkeit erfordern.

Die Sortimentsgestaltung war immer besser geworden, als neben den Eigenmarken auch etablierte Markenhersteller aufgenommen wurden. Damit verwischte dann die Positionierung des Unternehmens. Ein klares Statement zu Markenprodukten habe ich nicht wahrgenommen. Hey, es sieht zwar aus, als habe jemand auf ein T-Shirt gekotzt, aber immerhin gabs Ed Hardy.

Käufer von Elektrogeräten werden sich jetzt im abzeichnenden Abverkauf überlegen, zu welchem Preis sie zuschlagen werden. Klar, hinter einem Herd, Kühlschrank, einer Waschmaschine oder anderer weißer Ware der Quelle-Hausmarke Privileg steht natürlich kein Quelle-eigenes Werk für Waschmaschinen, sondern „normale“ Hersteller wie Electrolux, Bosch oder sonst wer. Aber die werden niemals die Garantie übernehmen. Immerhin gab es bei Quelle Markenware unter anderem Namen zum verflixt günstigen Kurs. Nur eben demnächst wohl ohne Garantie und Gewährleistung, wenn tatsächlich das Aus kommt. Hier ist also Vorsicht angebracht, wenn man auf Nummer sicher gehen möchte. Ohne deutliche Abschläge wird das kaum ein Kunde machen. Ähnlich wird es bei Universum oder Revue aussehen, den Hausmarken für bsp. Fernseher und Foto.

Dagegen dürfte der Abverkauf von Markenherstellern kaum Probleme bereiten –  bis auf die (noch) allzu optimistische Preisgestaltung. Da gibt es eben die Herstellergarantie von Canon bis Samsung über die komplette Palette. Was die Preise angeht, krankt Quelle noch an der Erblast des Katalogrhythmus. Die Preise mussten über einen langen Zeitraum (von Katalog zu Katalog) beibehalten werden, während überall drumherum die Innovationszyklen der Unterhaltungselektronik für schnellen Preisverfall sorgten und neben Media Markt und Saturn jede Menge kleinere Händler bis hinauf zu amazon und ebay online die Kunden wegschnappten.

Tja, was bleibt, ist ein komisches Gefühl über die „Rettung“ kurz vor der Wahl und zumindest aus meiner Sicht Mitleid für die Mitarbeiter. Da stehen jetzt demnächst wohl 7.000 Menschen auf der Straße, weil die Führung versagt hat. Zumindest die Auslandsgesellschaften und einige Spezialsortimente werden wohl überleben.

Ein wahrer Schatz sind die Kundendaten bei Quelle. Wer die kauft, wird wohl eine der umfangreichsten Datensammlungen überhaupt in Deutschland bekommen. Ganze Generationen von Bestellern sind in ihrem Kaufverhalten abgebildet. Alleine deswegen lohnt sich schon ein Quelle 2.0, das sich auf solvente Kunden konzentriert und diesen ein gestrafftes Sortiment anbietet. Vielleicht findet sich ja jemand, der da noch einsteigen möchte. Wenn ich amazon wäre, würde ich sofort mitbieten.

Nachschlag zu Social Media

Da haben einige nachgefragt, wo denn genauer die Probleme bei Social Media Marketing (Communities, Foren) usw. liegen. Ich greife nur mal einen Punkt heraus, der sich immer wieder als Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaftlichkeit im Online Marketing herauskristallisiert.

Kosten. Genauer: Personalkosten.

Eine Diskussion will gelenkt sein, wenn man sie fürs Online Marketing nutzen möchte. Irgendwie muss man ja seine Werbebotschaft auch unterbringen. Entsprechend ist zunächst einmal eine Strategie nötig. Alleine mit dem Schlagwort Social Media macht man weder Umsatz noch eine Werbebotschaft, welche auch nachhaltig wirkt. Das scheinen schon diverse Agenturen und vor allem Berater nicht zu beherrschen. Also müssen Spezialisten ran. Und die guten kosten eben etwas.

Im praktischen Betrieb ist eine Moderation nötig. Auch das kann nicht billig sein, da Gespür fürs Thema, eine sinnvolle Konfliktlösung, sprachliche Varianz sowie eine fortlaufende Betreuung verschiedenster Threads nötig ist. Natürlich kann man dies wie bei verschiedenen Plattformen, Xing, Fachforen oder anderen Communities den Freiwilligen aufs Auge drücken. Deren Anreiz ist aber oft nicht, eine neutrale Moderation zu gewährleisten. Na, gut, bei Hobbies schon ;-). Da können durchaus eigene geschäftliche Interessen auftauchen, welche die Attraktivität schmälern.

Dazu kommen noch die sattsam bekannten Trolle – der Internetausdruck für Störenfriede, Selbstdarsteller – welche in jedem Forum einen erheblichen Schaden anrichten können. Also behält man lieber selbst einen Teil der Kontrolle und das wiederum geht in den seltensten Fällen für lau nur mit Freiwilligen.

Bleibt also, nach O`Reillys Theorie vom Web 2.0 die Refinanzierung durch Werbeeinnahmen. Da wiederum sind die Werbepreise gerade tief gesunken, so dass auch auf Seiten der Einnahme für Spaßforen oder „Businessplattformen“ nicht immer Freude aufkommt.

Das alles einmal zusammengerechnet, bedeutet doch schon einen erheblichen Aufwand.

Im Vergleich zu sehr scharf zielgerichteten Adwords oder SEO ist eine direkte Monetarisierung viel schwieriger. Immer steht zwischen dem letztendlichen Verkaufserlös und der vorherigen Bewerbung ein hochkomplexes Aufgabenfeld, das nur wenige berherrschen, während viele nur geldverschwendend die Schlagwörter und Trends herunterbeten.

Durchaus erfolgreich scheinen mir die Projekte, welche eine langfristige Werbebotschaft übermitteln und mit weit überdurchschnittlichen Mitteln ausgestattet sind. So zeigen sich Webseiten beispielsweise als Gesundheitsforen und machen eigentlich nur heftig Stimmung für irgendwelche Nahrungsergänzungen. Dass die eigentlich keiner braucht und die Produkte meist maßlos überteuert sind, fällt beim Thema eigener Gesundheit, einer implizierten Angst vor Verschlechterung und wohl auch heftigem Aberglauben nicht so sehr ins Gewicht. Entsprechend wiederum ermöglichen die Gewinnspannen der Branche dicke, fette Foren und „Informations-Communities“, welche eigentlich eine langfristige Stimmungsmache sind……