Der Fall Relotius, Entschuldigung, des Spiegel

Na, sowas. Der Spiegel, oft euphemisch als das „Sturmgeschütz der Demokratie“ hochstilisiert, ist mit erfundenen Geschichten des Reporters Claas Relotius krachend auf die Nase gefallen. Luftnummern waren es und Stimmungsmache statt Fakten. Meiner Meinung ist dies ein typischer Auswuchs des Zielgruppenjournalismus. Einige Gedanken hierzu, persönliche Ansicht:

Zielgruppe?

Jedes Blatt hat seine Kernleserschaft. Diese wird gerne in ihrer Meinung unterstützt und so emotional gehätschelt. Wo der Bayernkurier brav den CSU-Bajuwaren kuschelt, Bild die Berufsempörten der Mittel- und Unterschicht füttert, ist der Spiegel für mich das Blättchen des Sofarevolutionärs. Man gibt sich intellektuell mit linkem Touch und serviert soziale Verantwortung sowie ein nettes Gesellschaftsbild. Ab und an prescht Augstein Junior vor und präsentiert seine Anekdoten als Stichwortgeber in einer Kolummne.

Mal auf den Boden zurück.

Journalismus ist für mich längst nicht mehr so edel und wichtig, wie er sich selbst präsentiert. Anstelle knallharter Recherche und Analyse, aufgrund derer sich ein Leser eine eigene Meinung bilden kann, wird ziemlich oft die Grenze zur Beeinflussung oder Kommerzialisierung überschritten. Ich rede hier bewusst nicht von „Lügenpresse“ wie die AfD. Vielmehr tun diverse Titel einfach was fürs typische Weltbild der Leserschaft. Heute, im Netzzeitalter, wird so etwas als Informationsblase bezeichnet. Provokante Frage: wer das Weltbild seiner Leserschaft füttert, wo ist das besser als Infoblasen, etwa bei Facebook? Der tiefe Fall des Spiegel wirkt um so drastischer, weil man eben den Edlen, Wahren, Guten vorgab.

Auch ökonomische Einflüsse.

Es ist doch auch längst bekannt, was viele Zeitschriften und Magazine als Stunts für Werbeschaltungen bringen. Soll zum Thema XY ein „Special“ erscheinen, sausen die Anzeigenverkäufer los. Das passiert genau so bei Tageszeitungen, wie auch Fachmagazinen. Einfach mal gucken, was bspw. in den Wochenendausgaben berichtet wird und wo rein zufällig passende Anzeigen geschaltet sind. Glaubt da wirklich noch wer an journalistische Unabhängigkeit? Dürfte meiner Meinung eher seltener der Fall sein.

Medien sind eben Geschäft.

Eine Fotostrecke bläst die Klickzahlen auf und der Verleger kann mehr Werbung verkaufen. Geschreibsel von Edelfedern verkauft sich besser bei der Zielgruppe. Werbung kann durchaus Inhalte beeinflussen. Und dann jammert die Branche, dass sie nicht mehr die Informationshoheit hat. Das Internet macht zig Sachen vergleichbar und die Kosten hierfür liegen verflixt niedrig. Die gleiche dpa Meldung findet sich auf zig Portalen. Hier kann man nur noch mit Qualität und einzigartigen Inhalten, Recherche und Knallerthemen bestehen. Das haben noch nicht alle begriffen. Ist diese Entwicklung neu? Nein, ich habe schon mal was Kritisches zu Journalismus geschrieben.

Ich finde das Geheul des Spiegels jetzt ziemlich unpassend. Sie hätten wissen müssen, auf was sie sich einlassen.

Und ja, mein kleines Wortspiel Retorius statt Relotius (siehe URL) war beabsichtigt. Habs aber jetzt aus dem Text herausgenommen und brav Relotius reingesetzt.

Nicht wieder ohne einen Hintergedanken. Bevor Relotius beim Spiegel zum Star wurde, kann man sich fragen, was der vorher gemacht hat. Wo der her kam, ob er da nicht eventuell auch munter fabulierte? Es heißt, er wäre früher bei der taz gewesen. Da bin ich mal provokant, meine Meinung: Wer schon freiwillig bei der taz oder Jungen Freiheit arbeitet…, käme mir eh nicht ins Haus.

Autor: Georg Grohs Online Marketing

Onlinemarketing als Extremsport. Erfahrung seit 1998, einige einzigartige Erfolge. Aber immer mit einem Lächeln. www.georg-grohs.de