DSGVO und Urheberrecht – schlecht für Europas Internet

Nun haben wir die DSGVO hinter uns. Naja, zumindest die Umstellung. Gleich reihenweise wurden deutsche und sonstige europäische Webseiten vom Netz genommen. Oft traf es die kleinen Handwerker, Hobbyseiten, wissenschaftliche Seiten oder auch Foren bis hin zu Selbsthilfegruppen. Dagegen sind viele dubiose Geschichten noch munter. Der Spam wurde nicht weniger, betrügerische Anbieter oder auch die Cookieschleudern verschiedener Verlage machen einfach weiter.

Facebook macht ganz normal weiter

Recht ungeschoren kamen auch die großen sozialen Netze davon, allen voran Facebook. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Am 22.5. sagte Zuckerberg vor der EU Kommission anlässlich des unglaublichen Skandals um Cambrigde Analytica aus. Am 25.5. trat die DSGVO in Kraft. Und, tädää, am 28.5. wurde ein Datenleck von 14 Millionen Benutzern bekannt. Die Lücke lief schon vor der EU Aussage. Kann Facebook etwa nicht feststellen, ob denen Daten flöten gehen oder etwas falsch eingestellt ist? Meines Erachtens schon. Facebook liest munter _alles_ mit und protokolliert jedwede Benutzeraktivität. Zudem kann man offenbar die API sehr genau steuern. Ich finde es äußerst merkwürdig, dass die EU Facebook nicht längst auf den Zehen steht.

Die paar Verbesserungen sind teuer erkauft

Die DSGVO hat jedenfalls nicht den Spam und den illegalen Adresshandel auch nur ansatzweise bekämpft. Läuft alles munter weiter. Und ebenso munter wird für europäische Angebote mit Spammails von Auslandsservern geworben. So richtig gewonnen haben weder Verbraucher, noch seriöse Webseitenbetreiber (die durften einen Heidenaufwand treiben). Abräumer waren ganz klar alle möglichen Anwälte, Schulungsanbieter und freiberufliche Datenschutzbeauftragte.

Urheberrecht und Leistungsschutzrecht

Nun gibt es aber den nächsten Klopper der EU. Das Urheberrecht und das Leistungsschutzrecht sollen überarbeitet werden. Und zwar primär zugunsten der Verlage. Genauer, zugunsten der größeren Verlage wie Springer, Burda, Funke und so weiter. Zunächst soll es einen Uploadfilter geben, der urheberechtlich geschützte Inhalte erkennt und notfalls sperrt. Es darf doch sehr bezweifelt werden, ob das alles so funktioniert. Schon die sehr gute Bildersuche von Google grätscht manchmal deutlich daneben.

Geld für Verlage

Weiterhin soll den Verlagen über das so genannte Leistungsschutzrecht die Kohle in den Hintern geschoben werden. Platt ausgedrückt, soll es eine Steuer auf Links geben – die natürlich vorzugsweise auf Verlagsseiten zeigen. Das hat schon in Deutschland und Spanien nicht geklappt. Noch mehr, es war ein totaler Reinfall. In Belgien ging der Versuch ebenfalls total schief. Die Verleger krochen bei Google zu Kreuze, nachdem sie auf eigenes Verschulden aus dem Index der Suchmaschine geflogen waren und ihnen fortan der Traffic fehlte. Also, wer kommt auf die wirklich blöde Idee, einen erwiesen nicht funktionierenden Mechanismus gleich mal auf EU Ebene auszurollen und obendrein völlig unnötig dem europäischen Internet zu schaden?

Verursacher und Situation

Haben die großen Verlage das eigentlich nötig? Nicht wirklich. Zwar wird oft lauthals geklagt aber eigentlich läuft deren Internetgeschäft gar nicht mal schlecht. Zumindest nicht so schlecht, dass die auf derartige Zwangsspenden angewiesen wären. Angeleiert hatte das Bürokratenmonstrum der ehemalige Digitalkommissar Oettinger. Nun, um dessen Digititalkompetenz scheints genau so bestellt, wie um dessen Englisch. Aktuell wird die ganze Nummer von Voss vorangetrieben, obwohl ihm wohl gerade der Rückhalt wegbricht. Das dürfte ein Paradebeispiel werden, wie Lobbyistenarbeit auf Kosten vieler in die Hose geht und dabei gleich noch die politischen Mitspieler diskreditiert.

Was wäre es schön, wenn ausnahmsweise mal Fachleute gefragt würden……………….

Autor: Georg Grohs Online Marketing

Onlinemarketing als Extremsport. Erfahrung seit 1998, einige einzigartige Erfolge. Aber immer mit einem Lächeln. www.georg-grohs.de